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Diskussionsabend: Friedfertigkeit in unserer Gesellschaft
Am Anfang der Diskussion hatte ich darauf hingewiesen, dass in der Bergpredigt (Matthäusevangelium) der Satz "Selig sind die Friedfertigen " auch verschiedentlich mit dem Text "Selig sind die Friedenstiftenden" interpretiert wird. Dieser Satz war mir sympathischer, drückt er doch ein gewisses Maß an aktivem Gestalten aus gegenüber dem mehr passiven Verhalten des Friedfertigen.
In einer nachfolgende Diskussion hier im Hause war man allerdings der Meinung, dass Frieden stiften meist dann erst zum Zuge kommt, wenn schon vorher etwas, (vielleicht etwas nicht wieder gutzumachendes) geschehen ist. Dieses Argument rückt die beiden Begriffe zueinander doch wieder in ein anderes Verhältnis.
Erich Fischer, 28. Nov. 2011
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Der Jedermann-und Jedefrau-Gesprächskreis der Evangelischen Kirche in Seelscheid
Friedfertigkeit in unserer Gesellschaft
Leben wir in einer friedfertigen Gesellschaft? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Gesprächskreis am 23. November. Man war sich schnell einig: In Deutschland und gerade auch in Neunkirchen-Seelscheid leben wir im Vergleich zu vielen anderen Ländern und Städten in einer friedfertigen Gesellschaft. Gleichwohl sind Verbesserungen notwendig. Wir erleben Gewalttätigkeit in vielen Bereichen, etwa auf der Straße durch jugendliche Gewalttäter, in nicht wenigen Familien quer durch alle Schichten, bei sportlichen Wettkämpfen vor allem des Fußballs, in Altenheimen und auch als Folge extremistischer Überzeugungen.Was ist dagegen zu tun? Unabhängig von notwendigen Hilfen der staatlichen Institutionen etwa durch Polizeischutz oder Unterstützung schwacher Familien, für die viel zu wenig getan werde angesichts deren zentral wichtiger Aufgabe, junge Menschen zu erziehen, müsse jeder einzelne Bürger sich und seine Fähigkeiten einbringen für seine Mitmenschen und das allgemeine Wohl. All diese Bemühungen müssten von einem Geist der Friedfertigkeit getragen werden. Friedfertigkeit sei unverzichtbar in einer friedlichen Gesellschaft. Dies bedeute nicht völlige Gewaltlosigkeit ohne Notwehr und Widerstand, es bedeute aber die Bereitschaft, jederzeit für eine friedliche Beilegung von Auseinandersetzungen einzutreten und Frieden zu stiften. Dazu gehöre auch der Versuch, friedlich mit einander zu streiten in Gesprächen und Schlichtungen von Konflikten. Ein solche Haltung sei nötig für ein friedliches Zusammenleben, was ja ein zentraler Wunsch der allermeisten Menschen sei.Es war eine spannende Diskussion. Es wurde viel mehr besprochen, als in einer so kurzen Zusammenfassung berichtet werden kann. Der nächste Gesprächskreis findet am 15. Februar 2012 statt.
Horst Viehmann, 24. Nov. 2011
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Der Jedermann-und Jedefrau-Gesprächskreis der Evangelischen Kirche in Seelscheid
Die soziale Qualität unseres sozialen Rechtsstaates
"Ist unser sogenannter Sozialstaat ein sozialer Staat?" war das Thema unseres gestrigen Jedermann- und Jedefrau-Gesprächskreises. Ein erstes Ergebnis der Diskussion war schnell im Konsens erreicht:
1.) Deutschland ist in seiner rechtlichen Verfasstheit (Artikel 20 Abs.1 und Artikel 28 Abs.3 unserer Verfassung) ein demokratischer und sozialer Rechtsstaat mit der Verpflichtung, die Lebensverhältnisse seiner Bürger nach sozialen Kriterien zu gestalten.
2.) Die Lebensverhältnisse entsprechen grundsätzlich und weitgehend dieser Verpflichtung. Sie sind insoweit allerdings nicht in idealem Zustand, sondern bedürfen der Absicherung und der Verbesserung.
Im Konkreten liegen die Dinge allerdings nicht so klar und selbstverständlich. Das wurde rasch deutlich. Die relative Armut nimmt angesichts der steten Auseinanderentwicklung der Einkünfte und der Vermögen zwischen Arm und Reich zu. Zwar sind die Grundbedürfnisse eines menschenwürdigen Lebens gesichert. Aber die Benachteiligung einzelner Schichten der Bevölkerung gegenüber dem andererseits vorhandenen Reichtum, die relative Armut, wird als solche empfunden und teilweise erlitten. Dies kann leicht zu instabilen Verhältnissen innerhalb der Gesellschaft führen. Daran können Transferleistungen der Sozialeinrichtungen wenig ändern. Die Randständigkeit und Abhängigkeit von Sozialleistungen ohne Aussicht, aus diesen Verhältnissen heraus zu kommen durch eigenständige Lebenssicherung und eigene Möglichkeiten einer Vermögensbildung, führen leicht und schnell zu genereller Perspektivlosigkeit. Das ist in vielen Lebenslagen so, etwa bei der Altersarmut, bei den in prekären Arbeitsverhältnissen tätigen Menschen, bei den Alleinerziehenden, die allenfalls Teilzeitarbeit verrichten können, aber natürlich am schlimmsten bei den jungen Menschen. Sie fühlen sich in solcher Perspektivlosigkeit nicht gebraucht, nicht anerkannt, sondern ausgegrenzt und "abgehängt", wie es die aufbegehrenden jungen Menschen kürzlich in Londons vernachlässigten Stadtteilen artikulierten. Große Aufgebote von Polizei und Ordnungskräften konnten zwar die aktuellen Unruhen eindämmen. Aber dies trägt nicht zur Lösung der Grundproblematik bei, der Perspektivlosigkeit ganzer Generationen junger Menschen und der daraus entstehenden Gewaltbereitschaft und Gewaltanwendung gegen die etablierte Ordnung mit der langfristigen Folge der Destabilisierung demokratischer Ordnungen. Ähnliche Entwicklungen haben vor einiger Zeit in den französischen Vorstädten stattgefunden, den Banlieus von Paris, Marseille und Lyon, um nur diese zu nennen. Und die jüngsten Unruhen in Griechenland und Spanien beruhen im Grundsatz auf den gleichen Versäumnissen gegenüber einem großen und größer werdenden Teil der Bevölkerung.
Die große Frage: Was ist zu tun, um solchen Entwicklungen präventiv zu begegnen? Das bedeutet, nicht erst dann zu handeln, wenn die Aufmerksamkeit der Gesellschaft und der Politik durch Gewaltexzesse auf die Problematik gelenkt wird, sondern die Entstehungsbedingungen sozialer Missstände zu beseitigen und positive Lebensbedingungen zu schaffen. Ein schwieriger, langfristiger und teurer Weg. Nach allen Erkenntnissen ist dies aber die einzig nachhaltige Vorsorge gegen Gewalttätigkeit und Destabilisierung.
In der Diskussion war man sich sehr schnell einig, dass die wirksamste und nachhaltigste Maßnahme zur Lösung der Problematik in der Bildung und Ausbildung der jungen Menschen liege. Dies setze sie in die Lage, ihre Lebensgestaltung selbst zu organisieren, führe zu Eigenverantwortung und Selbstbewusstsein und zur Verantwortung gegenüber der Allgemeinheit, ermögliche ihnen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und vermeide so Ausgegrenztheit und "Abgehängtsein".
Beim "Wie?" zeigten sich die Schwierigkeiten in der konkreten Durchsetzung eines solchen Bildungsprogramms. Kindergärten, Schulen und berufliche Ausbildung müssen für jeden jungen Menschen gewährleistet werden. Dazu bedarf es nicht nur enormer finanzieller Möglichkeiten, sondern auch Einsicht und Bereitschaft sowohl der jungen Menschen selbst als auch der Eltern. Angesichts der Verführungen des modernen Lebens etwa durch exzessiven Gebrauch von Computerspielen, um nur diesen einen, allerdings sehr bedeutsamen Punkt zu nennen, sei dies extrem schwierig. Eine probate Lösung, wie der vorhandene Autismus der Gesellschaft und der einzelnen Menschen als Verantwortliche für Kinder und Jugendliche aufgebrochen werden könne, wurde in der Diskussion nicht gefunden.
Für die weitere Voraussetzung der Bereitstellung ausreichender finanzieller Ressourcen gab es eine Reihe interessanter Vorschläge jenseits der steuerlichen Thematik, zu der kurz eine Art Vermögenssteuer andiskutiert und als sinnvoll angesehen wurde. Ein weitgehender Abbau von finanziellen Privilegien und Subventionen wurden genannt, eine Verringerung bürokratischer Ebenen, Transparenz politischer Entscheidungen und mehr Mitwirkungsmöglichkeiten der Bürger, die Auflösung korrumpierender Verflechtungen und manches mehr. Leider war der zeitliche Rahmen nicht ausreichend, den vielen Ideen vertiefteres Nachdenken zu widmen. Sie wären es wert gewesen.
Und so endete der interessante Diskussionsabend ein wenig unvollendet, aber jedenfalls mit der Überzeugung der Teilnehmer, dass auch bei uns in Deutschland über Bildungsanstrengungen nicht nur geredet werden müsste, sondern auf allen politischen und gesellschaftlichen Ebenen und nicht zuletzt auch im individuellen Bereich gehandelt werden muss.
Der nächste Gesprächsabend wird am 23. November stattfinden und sich mit dem Thema der Friedfertigkeit in unserer Gesellschaft befassen.
Horst Viehmann, Seelscheid, 8. September 2011
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Betrifft Gesprächskreis "Soll Kirche sich einmischen?"
Mir ist bei diesem interessanten Gespräch ganz deutlich geworden, dass "sich einmischen" nicht nur bedeutet, Farbe zu bekennen, sondern alles daranzusetzen, die für richtig gehaltenen Ideen auch umzusetzen, und die gesteckten Ziele zu erreichen.
30.5.2011 Erich Fischer
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Anmerkungen zum Gesprächskreis "Soll Kirche sich einmischen?"
Wie bei allen Abenden des Jedermann- und Jedefrau-Gesprächskreises kam es auch an diesem Abend zu einer interessanten Diskussion. Nach dem zunächst skeptischen Beitrag, ob Kirche überhaupt etwas bewirken könne, wenn sie sich kritisch zu den politischen Zuständen in Stadt und Land äußert, wie die Beipiele der Bekennenden Kirche im Dritten Reich oder die Äußerungen der ehemaligen EKD-Vorsitzenden Käßmann zu Afghanistan bewiesen, kristallisierte sich jedoch bald die überwiegende Meinung heraus, dass Kirche sich einmischen muss. Sie muss den Gläubigen und auch den der Kirche Fernstehenden anhand des Evangeliums darlegen, welche Auslegungen aus der Bibel sich ergeben. Dies gilt nicht nur für die Fragen wie PID oder Beihilfe zum Sterben am Lebensende, sondern auch bei der Frage von Krieg und Frieden, von der ungerechten Verteilung von Armut und Reichtum, von menschenwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen, von Nachhaltigkeit und Ressourcen-Verbrauch und ähnlichen Fragen. Es wurde klar, dass die Kirche zu vielen Fragen Denkschriften herausgegeben hat, dass diese aber nicht die genügende Verbreitung und Bekanntheit erlangen. Wir in unserer Gemeinde sollten da mit gutem Beispiel vorangehen und vielleicht einmal im Boten auf die bisherigen Denkschriften und ihre Fundstellen hinweisen und bei Neuerscheinungen auch in den Sonntagsbriefen und im Gottesdienst darauf verweisen. Auch in den Predigten müssen nach Überzeugung der meisten Teilnehmer der Runde gesellschaftspolitische Streitpunkte thematisiert werden.
Natürlich will niemand dem Einzelnen die persönliche Entscheidung zu diesen Fragen abnehmen, aber Hilfestellung und Denkanstöße darf man von den Kirchen erwarten.
Irmgard Viehmann, 26.05.2011
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Zu geringe Beteiligung am Gesprächskreis
Herr Quadt und Herr Viehmann bedauerten die geringe Beteiligung am letzten Gesprächskreis mit dem Thema "Mehr Bürgerbeteiligung - Fluch oder Segen."
Hätte man die richtige Frage zu einem sehr wichtigen Thema gestellt, wäre die Resonanz vielleicht größer gewesen. Die Frage ist doch, Was muss geschehen, damit wir unseren Politikern wieder vertrauen können? In einer funktionierenden repräsentativen Demokratie stellt sich die Frage nach mehr Bürgerbeteiligung nicht.
Noch ein Tipp: Auch ein kleiner Veranstaltungshinweis zum Jedermann-Jederfrau-Kreis im hiesigen Mitteilungsblatt der Gemeinde würde sicher ein größeres Interesse wecken.
Bernd Böttcher, 18.04.2011
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Mehr Bürgerbeteiligung - Fluch oder Segen?
Eine Zusammenfassung des Gesprächs vom 16. März 2011
Wir leben in einer repräsentativen Demokratie. Das bedeutet, wir geben in allgemeinen, gleichen, unmittelbaren, freien und geheimen Wahlen unser Recht auf demokratische Mitwirkung und Entscheidungen an Parteien und Personen ab, die im Bundestag, Landtagen und Kommunalparlamenten Gesetze, Verordnungen und Satzungen beschließen und so unser Zusammenleben regeln. Wahlen finden statt alle vier Jahre zum Deutschen Bundestag und einigen Landesparlamenten, alle fünf Jahre zum Europäischen Parlament, den meisten Landtagen und den kommunalen Gemeindevertretungen.
Neben diesen Wahlen gibt es, vorwiegend in Gemeinden und Kreisen, Bürgerbegehren und Bürgerentscheide. Der Bürger hat also eine ganze Reihe von Möglichkeiten, Parteien, Bürgerinitiativen und individuelle Abgeordnete mit dem Entscheidungsmandat für sich auszustatten. Und außerdem kann jeder Bürger Mitglied einer politischen Partei werden und an der Gestaltung unseres staatlichen und gesellschaftlichen Lebens mitarbeiten. Dies ist sogar erwünscht und trägt zur Festigung demokratischen Bewusstseins und demokratischen Verhaltens bei.
Die Frage ist, ob diese Mitwirkungsmöglichkeiten an der Gestaltung unseres gesellschaftlichen und staatlichen Lebens den Bürgern ausreichen und ihnen genügend Vertrauen in Politik und Politiker vermitteln.
Eine Reihe von Bürgerinitiativen und Demonstrationen der jüngeren Vergangenheit scheinen zu signalisieren, dass die Bürger kein ausreichendes Vertrauen mehr in Politik und Politiker haben und sich selbst in politische Entscheidungen einmischen wollen. Die Volksentscheide zur Schulpolitik in Hamburg und zum Umgang mit dem Rauchen in der Öffentlichkeit in Bayern sind wirkungsvolle und folgenreiche Beispiele, wo Entscheidungen der Politik von Bürgerentscheidungen ersetzt wurden. Dies erfolgte in bestehenden demokratischen Beteiligungsverfahren. Anders in Stuttgart, wo unter dem Namen "Stuttgart 21" zahlreiche Bürger in erlaubten und verbotenen Protesten und Demonstrationen, teils unter Anwendung von Gewalt machtvoll ihre Ablehnung der von der Politik getroffenen Entscheidung für die Neugestaltung des Hauptbahnhofs deutlich machten. Die jüngsten Ereignisse in Japan und die Laufzeitverlängerungen des Betriebs der hiesigen Kernkraftwerke dürften das Bedürfnis nach mehr Bürgerbeteiligung aktuell erheblich erhöht haben. Grund für Misstrauen bildet offenbar auch der Einfluss mächtiger Interessengruppen wie etwa der Atomkraftlobby auf die politischen Entscheidungsträger. Dies führe in zunehmendem Maße zur Demokratieverdrossenheit, wurde beklagt. Der Rückgang an Wahlbeteiligungen zeige gefährliche Tendenzen auf, die den Wunsch der Menschen nach "glamourösen Lichtgestalten" signalisierten und sich teilweise sogar in dem Ruf nach dem "starken Mann" äußerten.
Was folgt daraus für uns normale Bürger? In der Diskussion wurde schnell klar, dass über die bestehenden Möglichkeiten förmlicher Bürgerbeteiligungen, wie sie eingangs erwähnt sind, eine Ausweitung solcher Rechte grundsätzlich nicht sinnvoll sei. Auch Beteiligungsformen direkter Demokratie seien in einer so komplexen Gesellschaft wie der unseren und der damit verbundenen komplizierten Entscheidungsnotwendigkeiten nicht hilfreich. Sie könnten sogar gefährlich werden, wenn etwa kleine Gruppen ihre Interessen gegen Belange des Gemeinwohls durchsetzen würden. Auch die möglichen Dimensionen solcher Plebiszite seien problematisch, etwa wenn Fragen von Grundrechten Gegenstand solcher Entscheidungen seien. Dem stimmten die Anwesenden überwiegend zu. Allerdings bestehe dennoch ein großes Bedürfnis einer unmittelbaren Bürgerbeteiligung, insbesondere in existentiellen Fragen wie der Energiegewinnung aus Atomkraft oder der Versorgung mit Lebensmitteln frei von Genmanipulation und sonstigen nicht natürlichen Zusatzstoffen. Wie dieses Bedürfnis nach unmittelbarer Beteiligung in friedlichen Formen verwirklicht werden könne, blieb allerdings offen. Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer aber, dass statt mehr neue Formen der Bürgerbeteiligung größere und intensivere Beteiligung der Bürger an politischen Meinungs- und Entscheidungsbildungen wünschenswert, ja notwendig seien. Die könne durch breitere Beteiligung in den bestehenden demokratischen Parteien sehr gut verwirklicht werden.
Die Frage, warum das Misstrauen der Bevölkerung gegenüber der Politik offensichtlich zunimmt und das Vertrauen in Anständigkeit und Gemeinwohlorientierung politisch tätiger Menschen abnimmt, wurde nur kurz gestreift. Immerhin wurde Unmut darüber deutlich, dass Anstand bewahrende Streitkultur immer weniger anzutreffen sei und die Bevölkerung durch vordergründiges, an eigenen Interessen orientiertes Verhalten vom Politikbetrieb abgestoßen werde. Dies werde etwa in dem Gezänk der örtlichen Parteien deutlich, wie man im Mitteilungsblatt der Gemeinde jede Woche anschaulich nachlesen könne. Dies unter anderem sei Grund für das abnehmende Interesse an Demokratie und Rechtsstaat. Tugenden seien notwendig, die Umkehr zu Anstand und zu Orientierung am Gemeinwohl. Allerdings sei in diesem Kontext die Verfolgung von Eigeninteressen, ja von Egoismus nichts Verwerfliches wurde eingewandt, was jedoch auf Ablehnung stieß. Wie man Bürgerbeteiligung außerhalb der oben genannten institutionellen Möglichkeiten sicherstellen könne, war eine zentrale Frage, um die sich die Diskussion immer wieder drehte. Die Forderung nach Bildung und Aufklärung in allen Bereichen der Bevölkerung und für alle Bürger fand breite Zustimmung. Für die Umsetzung dieser Aufgabe und die Wirkung auf bürgerschaftliches Engagement wurden einige Lösungsansätze diskutiert. Sonntagspredigten in den Kirchen etwa müssten sich auch mit Staat und Gesellschaft beschäftigen. Es gehe dabei nicht nur um Probleme im Land Nord-Rhein-Westfalen oder in Deutschland insgesamt. Auch Unzulänglichkeiten in den Kommunen müssten Gegenstand kirchlicher Einmischung sein. Jesus selbst habe ja - zwar in etwas anderem Zusammenhang, aber immerhin auch für den staatliche Bereich "gefordert" "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und gebt Gott, was Gottes ist." Die Gefahr von Wahlwerbung von der Kanzel muss da allerdings beachtet werden.
Da der Bürgermeister anwesend war und sich an der Diskussion beteiligte, richteten sich Fragen und Antworten verstärkt auf kommunale Möglichkeiten, Bürgerbeteiligung und Bürgerengagement zu wecken und zu gewährleisten. Ratssitzungen müssten für die Bürger interessanter werden. Übertragungen von Rats- und Ausschusssitzungen würde er gerne im Internet live darstellen lassen, meinte der Bürgermeister, aber die technischen Möglichkeiten fehlten leider dazu. Auch hier wurde eine Gefahr gesehen: Es könnten leicht aus notwendigen Sachdebatten, seichte Show-Veranstaltungen zur Öffentlichkeitsdarstellung werden. Die Frage, wer in unserer Gemeinde Ansprechpartner für Anregungen und Beschwerden sei, müsste allen Bürgern vermittelt werden, forderte ein Teilnehmer. Der Bürgermeister erwiderte, er selbst sei der Vertreter der Gemeinde und wenn es Fragen und Beschwerden gäbe, sei er der erste Ansprechpartner, auch für scheinbar belanglose Dinge. Jeder erhalte auf eine sachbezogene Frage eine entsprechende Antwort. Er sei sozusagen der Ombudsmann für die Bürger der Gemeinde. Jeder könne sich an ihn wenden und könne sicher sein, dass sein Anliegen geprüft werde. Gefordert wurde von Diskussionsteilnehmern, dass der Bürgermeister über solche Anfragen und Lösungen im Mitteilungsblatt Auskunft geben solle. Den Bürgern müsste vermittelt werden, dass sie über Anregungen, Beschwerden und Fragen aktive Teilhabe am Gemeindegeschehen hätten und dass sie als Bürger ernst genommen würden.
Leider war die zur Verfügung stehende Zeit nicht mehr ausreichend, um die Diskussion weiter führen zu können. Viele Fragen mussten deshalb offen bleiben. Aber es war deutlich geworden, dass mehr informelle und unmittelbare Bürgerbeteiligung von Staat und kommunaler Selbstverwaltung gewährleistet werden sollte, dass die Bürger dafür intensivere Bildungs- und Informationsmöglichkeiten bräuchten und dass ganz generell eine bessere Kultur politischer Bürgerbeteiligung in unserem Land nötig sei, die die allzu sehr herrschende Konsum- und Unterhaltungsmentalität wieder in die ihr gebührenden Schranken zurückweise. Demokratie sei nicht eine Spaß- und Unterhaltungsveranstaltung. Die Bürger müssten für die demokratische Ordnung in unserem Land Verantwortung zeigen und übernehmen. Nur Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sicherten ein auf Würde und Rechte gegründetes friedliches Zusammenleben der Menschen.
Ein unterhaltsamer Abend, dem mehr Beteiligung (!) im Sinne des Themas zu wünschen gewesen wäre.
Peter Quadt, Horst Viehmann
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Jugendgottesdienst
Vielen Dank an Horst Viehmann für seinen Beitrag bezüglich unseres Jugendgottesdienstes vom 6. Februar. Zu den Beobachtungen von Herrn Viehmann ist mir noch etwas aufgefallen:
Viele Konfirmanden und Katechumenen sind alleine zu diesem Jugendgottesdienst gekommen. Ich finde diese Tatsache sehr bedauerlich. Der Gottesdienstbesuch sollte für mich ein gemeinsames Miteinander zwischen Kinder und Eltern sein und den Jugendlichen würde auch vermittelt werden, dass sie Unterstützung von ihren Eltern auch für diesen Lebensbereich erhalten. Gerade beim Jugendgottesdienst würde sich das lohnen. Mir ist klar, dass für viele der Sonntagmorgen ein Zeitpunkt für Ruhe und Gemütlichkeit ist. Das geht mir nicht anders. Aber ich behaupte mal, dass der Wunsch nach Erholung auch im (Jugend-)Gottesdienst erfüllt wird
Insgesamt war es ein toller Gottesdienst und ich möchte allen danken, die sich beteiligt haben und allen Besuchern, die sich am Sonntagmorgen auf den Weg in die Kirche gemacht haben.
Ich freue mich auf ein nächstes Mal!
Diakon Markus Schlimm, 9. Februar 2011
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„Probier`s mal mit Gemütlichkeit.“
Erwachsene zögern mit dem Gang zur Kirche, wenn ein Jugendgottesdienst angekündigt ist, und bleiben nicht selten zu Hause. Kinderkram mögen manche denken. Grundfalsch! Schon in der Bibel ist zu lesen, wenn Ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet Ihr das Himmelreich nicht erlangen. Das heißt auch: Ihr könnt von den Kindern lernen! Und das ist heutzutage für uns ja ganz selbstverständlich geworden. Welcher Erwachsene lernt beispielsweise nicht die verschiedensten Anwendungen des Internets von Jugendlichen und Kindern? Ich wäre ohne meine Kinder in den Tücken des Internets längst verloren gegangen.
Also Erwachsene nehmt das Angebot an, das uns Kinder machen. Nehmt die Gelegenheit eines Jugendgottesdienstes wahr. Ihr seht manches Altgewohnte plötzlich aus einer anderen Perspektive mit jugendlichen Augen.
Der heutige Jugendgottesdienst hatte zum Thema gemacht: Mangel an Zeit und Muße, Übermaß an Stress und Hektik. Er hatte diese Begriffe aber unter einen einfachen wenn man so will jugendlichen Nenner gebracht: "Probier´s mal mit Gemütlichkeit" . Bewahre Gelassenheit, auch wenn die Dinge scheinbar keine Gelassenheit vertragen und Eile Not zu tun scheint. Meist gibt es Wichtigeres. Alles hat seine Zeit. Wenn Du stehst, dann stehe, ohne dauernd an den nächsten Schritt zu denken. Wenn Du gehst, dann gehe, ohne dauernd das Ziel vor Augen zu haben. Wenn Du liebst, dann liebe, ohne etwas anderes im Kopf zu bewegen. Beschränke Dich auf das, was der Augenblick verlangt. Setze Prioritäten, nimm Dir eine Stunde Muße in der Hektik des Alltags, denn alles hat seine Zeit. So lautete die zentrale Botschaft der jungen Leute. Dieser Rat zu Gelassenheit mag sich fremd anhören für manchen Erwachsenen. Die haben gut reden, mag er denken. Aber schon der weise König Salomon wusste um die Bedeutung dieser Weisheit. Es heißt bei ihm in der Bibel u.a.:
Ein jegliches hat seine Zeit,
und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde:
geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit;
weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit;
klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit;
schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit; '
lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit;
Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.
Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon.
Das ist der Lauf des Lebens, und kein zermürbender Stress, keine chaotische Hektik, kein übereifriges Bemühen vermag diesen "ewigen" Lebenslauf von uns Menschen zu verändern. Das müssen wir durchaus mit Lust und Freude hinnehmen, akzeptieren und in unser Bewusstsein aufnehmen. Wir werden feststellen, dass wir damit viel besser durchs Leben kommen und dennoch unsere Pflichten gewissenhaft erfüllen können. Und wir werden sogar erfahren, dass wir weniger von psychischer Belastung und seelischer Not geplagt werden.
Ein kurzes Spiel im heutigen Gottesdienst von zwei Konfirmandinnen zur Aufgabenerledigung machte klar, man kann nicht zugleich nachdenken und schreiben und telefonieren und Akten bearbeiten. Zwei eindringlich von Konfirmanden vorgetragene Texte zum Thema "Alles zu seiner Zeit" begründeten überzeugend die Weisheiten des Salomon und die Fürbitten einiger Konfirmandinnen und Konfirmanden vermittelten Hoffnung auf Akzeptanz und Beachtung, ja auf Realisierung der Botschaft. Und die Predigt von Diakon Markus Schlimm unterstrich deren Bedeutung für unseren Alltag. Ein Lehrstück für alle, auch für uns Erwachsene. Dazu die von Miriam Schlimm und Frank Heinen erfrischend vorgetragenen rhythmischen Lieder. Eine passende Umrahmung. Und noch eine Mahnung an die Eltern. Bei der Umfrage, wer ausreichend Zeit zum Frühstück habe, hoben die meisten Konfirmanden im Gegensatz zum Durchschnitt der Besucher die rote Karte, also eine negative Antwort. Das gibt zu denken! Das signalisiert Änderungsbedarf!
Beim Ausgang und im Kirchen-Café gab es für jeden Muffins, von den Konfirmandinnen und Konfirmanden selbst gebacken. Sie waren schön anzusehen und haben gut geschmeckt. Verpackt waren sie in kleinen Tütchen mit handgeschriebener Aufschrift "Probier`s mal mit Gemütlichkeit" und handgemalter Verzierung.
Ein von den jungen Leuten zusammen mit dem Diakon gestalteter Gottesdienst. Die Einbindung in Planung und Durchführung solcher Veranstaltungen schafft Verbundenheit und vermeidet Ausgrenzung. Sie erfahren, dass sie etwas leisten können, dass sie gebraucht werden, dass sie mitten drin sind im Leben. "Du bist wichtig. Du bist anerkannt". Eine unverzichtbare Zusage gegenüber den jungen Menschen.
Es war ein lebendiger und erbaulicher Gottesdienst an einem kalten Sonntag im Februar. Die, die zu Hause geblieben sind, haben etwas verpasst.
Horst Viehmann, 6. Februar 2011
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Gottesdienst zum Buß- und Bettag
Der Gottesdienst zum Buss und Bettag ruft bei mir gemischte Gefühle hervor. Diese Schwarz/Weißmalerei kann nicht so stehen bleiben.
Dass wir seit über 60 Jahren in Frieden und Freiheit leben ist nicht zuletzt der Bundeswehr und ihrer Verbündeten zu verdanken! Es ist leider kein Frieden auf Erden, es ist eine einmalige Ausnahme, dass "Schwerter zu Pflugscharen" wurden und ein ganz großes unverdientes Wunder die Wiedervereinigung!
Am Frieden zu arbeiten fängt im zwischenmenschlichem Bereich an, daran können und müssen wir arbeiten!
In diesem Sinn
Elke Helbig, 19. November 2010
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Die Zuwanderer und wir Einheimischen -
Eine Zusammenfassung der Diskussion des Jedermann- und Jedefrau-Gesprächskreises.
Es war ein interessanter Diskussionsabend im Gemeindehaus beim Jedermann- und Jedefrau-Gesprächskreis am 3. November, als es um Fragen und Probleme von Migration und Integration in unserer Gesellschaft ging.
Geradezu wohltuend bewegte sich die Diskussion überwiegend auf sachlichem Niveau, fern von den in dieser Frage so häufigen Vorurteilen und Klischees in der öffentlichen Diskussion. Man war sich weitgehend einig, dass die Berichterstattung der Medien eine der Ursachen für die weit verbreitete und nicht gerechtfertigte Angst in der Bevölkerung setze. Die natürliche Scheu der Menschen vor den Fremden, manchmal auch Furcht, habe es schon immer gegeben, sei aber meist durch das Gebot der Gastfreundschaft überwunden worden. Sie werde heutzutage leider durch eine dramatisierende und skandalisierende Berichterstattung über einzelne Gewalttaten verstärkt und teilweise geradezu geschürt. Weite Teile der Bevölkerung hätten keine oder kaum eigene Erfahrung mit Zuwanderern. Das von den Medien konstruierte Zerrbild der Wirklichkeit könne somit nicht durch eigene Erfahrung korrigiert werden. Das führe nicht selten zu ungerechtfertigter Angst vor dem Fremden. Journalistische Verantwortung zur Sachlichkeit müsse deshalb gefordert werden.
Solche Sachlichkeit müsse auch von Menschen in verantwortungsvollen Positionen verlangt werden. Das ehemalige Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank Sarrazin etwa sei dieser Verantwortung nicht gerecht geworden. Er habe gesellschaftliche Missstände in äußerst polemischer Weise dargestellt. Die Art seiner Polemik verletze die Würde der Menschen.
Auch die Reduzierung der Probleme auf die Zugehörigkeit zum Islam werde dem Bemühen um ein friedliches Zusammenleben zwischen Zuwanderern und Einheimischen nicht gerecht. Man dürfe die Gewalttaten islamistischer Extremisten nicht den vielen friedliebenden Menschen muslimischen Glaubens als geschlossener Gruppe zurechnen. Die Menschen müssten in ihrer individuellen Vielfalt wahrgenommen werden und nicht in erster Linie als Angehörige einer Religion. In Deutschland herrsche Religionsfreiheit. Verbindliche Grundlage gesellschaftlichen Lebens seien ausschließlich die Verfassung und die geltenden Gesetze. Diese hätten verbindlichen Charakter für jedermann. Darüber hinaus könne "jeder nach seiner Fasson selig werden", wie schon Friedrich der Große in einer Randbemerkung an einen Bericht über Probleme mit einer katholischen Schule vermerkt habe.
Eine Besinnung auf längerfristige Entwicklungen lasse die derzeit hektische und aufgeregte Debatte um Zuwanderung und Integration als unangebracht erscheinen. Gerade die deutsche Geschichte weise Zeiten und Erscheinungen auf, die den derzeitigen Einwanderungsmodalitäten und entsprechenden Problemen durchaus vergleichbar seien. Rückblickend hätten sich Zuwanderungen für die einheimische Bevölkerung regelmäßig als Zugewinn an Kultur und Wohlstand erwiesen. Beispiele dafür seien die im 17. Jahrhundert in Deutschland aufgenommenen französischen Hugenotten, deren Anteil damals auf 20 % der Berliner Einwohner anwuchs und die zunächst von der Bevölkerung unterhalb der herrschenden Schicht als unwillkommene Konkurrenten abgelehnt worden waren. Im 19. Jahrhundert habe es die Einwanderung von Polen in das Ruhrgebiet gegeben, die schließlich mit einem Anteil von etwa 10 % eine nicht unbedeutende Bevölkerungsgruppe darstellten. Dies sei dem Ruhrgebiet gut bekommen. Und schließlich habe es nach 1945 die Flüchtlinge aus dem Osten gegeben, die in Folge des Krieges in die Bundesrepublik vertrieben worden und höchst unwillkommen gewesen seien. Einen Anteil von 20 % an der einheimischen Bevölkerung hätte dieser Zuwachs bedeutet. Er habe Deutschland einen ungeahnten Aufschwung an Kultur und Wohlstand beschert. Die Zuwanderung, über die jetzt diskutiert werde, habe schon in den 1960er Jahren begonnen und habe mit geholfen, unseren Wohlstand zu mehren. Facharbeiter seien damals gebraucht und in südeuropäischen Ländern sowie später in der Türkei dringlich angeworben worden. Heute wiederhole sich die Problematik in verschärftem Umfang. In unserer alternden Gesellschaft seien Zuwanderer mit Kindern nicht nur aus Arbeitskräftemangel existenziell notwendig. Ohne sie drohe in nicht allzu ferner Zukunft ein Staatszusammenbruch. Die Zuwanderung dieser Menschen seit den 1960er Jahren habe inzwischen einen Anteil von ebenfalls fast 20 %. Mehr als die Hälfte davon, etwa 12 %, habe aber schon die deutsche Staatsangehörigkeit erworben.
Die Erfahrungen mit den historischen Ereignissen gäben genügend Anlass, die derzeitige Hysterie aus der Diskussion zu verbannen. Man solle die notwendigen Maßnahmen mit Ruhe und Beharrlichkeit anpacken und der längerfristigen Entwicklung vertrauen. Zahlreiche Ansätze und Entwicklungen machten schon jetzt Hoffnung auf nachhaltige Besserung.
Zu diesen Maßnahmen gehörten staatliche Gewährleistungen der Bildungschancen und der Möglichkeit auf frühzeitige Teilhabe und Teilnahme an gesellschaftlichen Entwicklungen. Sprachkurse, frühkindliche Betreuung und schulische Förderung, um nur einige besonders wichtige Felder zu nennen, müssten ausgebaut und verbessert werden. Die sei nicht nur für Zuwanderer, sondern auch für Teile der einheimischen Bevölkerung nötig. Insbesondere allen jungen Menschen müssten Perspektiven eröffnet werden. Perspektivlosigkeit sei häufig der Grund für regelwidriges und unerwünschtes Verhalten.
Ein Problem sei, die gelegentlich anzutreffende mangelnde Bereitschaft, Betreuung und Förderung anzunehmen. Dazu müssten aber Fremde und Einheimische bereit sein und sich um die Angebote bemühen. Die deutsche Bevölkerung müsse den Fremden offener und toleranter begegnen. Der Integrationsprozess bestehe in Geben und Nehmen. Es sei in dieser Hinsicht seit Mitte der 1990er Jahre viel geschehen. Es gäbe wunderbare Beispiele von gelungener Integration. Darüber würde viel zu wenig berichtet. Die Negativberichte bestimmten leider das aktuelle Bild. Man könne die Problematik auch herbei reden und Probleme sehen, wo in Wahrheit keine seien.
Und im übrigen sei es wichtig, sich auf die rechtlichen Grundlagen und geistigen/geistlichen Wurzeln unseres Volkes zu besinnen. Das Grundgesetz sei eine wunderbare Verfassung grundlegender Werte mit besonderer Gewährleistung von Würde, Freiheit und selbst bestimmter Entfaltung der Persönlichkeit der Menschen. Es gelte insoweit für alle Menschen in Deutschland. Eine Art Friedenspflicht sei damit vorgegeben.
Und - in einem christlichen Gemeindehaus dies zu betonen sei besondere Verpflichtung - das Christentum gebiete die Nächstenliebe. "Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst", sei eines der bedeutendsten Gebote unseres Glaubens. Das sei für jeden Christen eine konkrete Verpflichtung.Wir hätten noch lange Zeit weiter diskutieren können und wollen, auch über konkrete Initiativen und Projekte, aber wir hatten die Zeit schon überschritten, die wir uns für jeden Gesprächsabend gesetzt haben, und beendeten das Gespräch mit dem Vorsatz, uns persönlich zu bemühen und in unserer Umgebung dafür zu werben, den Fremden neben uns besser kennen zu lernen. Das sei ein Schlüssel zu gegenseitigem Respekt, zu Akzeptanz und Friedfertigkeit. "Friede sei mit Dir", sei schließlich ein allgemein anerkannter und vielfach gebrauchter Gruß unter den Menschen unserer zivilisierten Welt.
Horst Viehmann, 6. November 2010
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Haben wir den Sinn für die Realität verloren?
Unter dem Titel "Der große Unernst" - haben wir in unserem Jedermann- und Jedefrau-Gesprächskreis ein gesellschaftlich und politisch wichtiges Thema erörtert. Es ging um die Fragen, ob wir noch in der Lage sind, in der Flut der Informationen die bedeutsamen Nachrichten und Themen wahrzunehmen oder ob wir eher Wichtiges und Unwichtiges vermischen und nicht mehr sinnvoll unterscheiden können. Sind wir auf diese Weise zur Spaßgesellschaft geworden, in der wir uns zu Tode amüsieren, wie uns schon 1985 der amerikanische Professor für Medienwissenschaft Neil Postman prophezeit hat? Postman beklagte damals die "Infantilisierung" der Gesellschaft, also ein lediglich kindliches Beurteilungsvermögen der Menschen, das nicht in der Lage sei, aus der Flut der Informationen die wichtigen heraus zu filtern.
Der damit einhergehende Verlust der Urteilskraft der "mündigen Bürger" entspreche nicht den Anforderungen des demokratischen Wahlrechts. Man müsse sinnvolle Politikinhalte von populistischen Versprechungen unterscheiden können, sonst falle man zu leicht auf politische Scharlatane und Demagogen herein. Darüber war sich der Gesprächskreis einig.
Auch darüber, dass man diesen Verlust nicht einfach hinnehmen dürfe, weil unsere Demokratie dadurch in Gefahr gerate, ihre Stabilität zu verlieren.
Schwieriger gestaltete sich die Suche nach wirksamen Gegenmitteln. Letztlich stimmten die Gesprächsteilnehmer darin überein, dass dem demokratischen Wahlrecht eine Art Verpflichtung des Wählers entsprechen müsse, sich über die Absichten der Parteien und Politiker zu unterrichten. Das Wahlrecht sei viel zu wichtig, als dass es nicht vernünftig und konstruktiv ausgeübt werden müsse. Es gebe eine Menge an Möglichkeiten, sich sachlich und umfassend zu informieren. Tages- und Wochenzeitungen, Nachrichten der öffentlich-rechtlichen Sender und viele andere Informationsquellen bis zu den Wahlprogrammen politischer Parteien stünden zur Verfügung. Auch Volkshochschulen und viele sonstigen Institutionen, übrigens auch die Kirchen, böten entsprechende Unterrichtungen an. Bildung sei ein wichtiger Schlüssel zu eigenständigem Urteilsvermögen in den allgemeinen Herausforderungen des Lebens, aber auch speziell bei der Ausübung des demokratischen Wahlrechts.
Andererseits sei zu fordern, dass Politiker die Menschen in verständlicher Weise unterrichteten. Die vorhandenen Probleme müssten offen und ehrlich angesprochen werden. Politiker dürften nicht immer so tun, als hätten sie alle Probleme im Griff und allenfalls der politische Gegner verhindere eine zufriedenstellende Lösung. Der Bürger fühle sich ohnmächtig und in die Irre geleitet. Das fördere Politik- und Politikerverdrossenheit und schüre die Unzufriedenheit mit den politischen Parteien. Die Parteien seien aber unverzichtbar zur politischen Meinungsbildung und hätten deshalb eine zentrale Bedeutung in unserer Demokratie. Die Ereignisse um Stuttgart 21, die Schulpolitik in Hamburg, der Siegburger Bürgerentscheid über das Einkaufscenter oder auch die Abstimmung in Neunkirchen-Seelscheid über die Stadt-/Dorffrage seien ja Folgen der Unzufriedenheit und des mangelnden Vertrauens der Menschen in die Politik. Sie wollten beteiligt sein. Solches Bürgerinteresse sei erfreulich. Aber auch das wurde eingewandt derartige Bürgerentscheidungen seien nicht immer positiv zu sehen, weil die zu lösenden Fragen teilweise so schwierig und komplex seien, dass die Bürgerentscheide leicht zu unverantwortlichen Ergebnissen führen könnten.
Schließlich ging es noch um die Frage des ethisch-moralischen Zustandes der Gesellschaft. Nicht nur bei Politikern und hoch mögenden Leuten in Wirtschaft und Finanzen, bei Show-Geschäft oder im Sport, sondern auch bei uns normalen Bürgern sei ein absinkendes Niveau an Anstand und Sitte festzustellen. Ich-Bezogenheit und der Mangel an Nächstenliebe seien Kennzeichen eines gesellschaftlichen Niedergangs. Dem müsse man gegensteuern.
Über die Frage, auf welche Weise das geschehen solle, konnte wegen der fortgeschrittenen Zeit nicht mehr nach gedacht werden. Man beschloss, dieses Thema in einer der nächsten Gesprächsrunden zu diskutieren.Der Arbeitskreis vertagte sich auf Mittwoch, den 3. November 2010, zum Thema Integration und Probleme benachteiligter und zugewanderter Menschen bei uns, mit uns und für uns. Es war eine anregende Diskussion und ein informativer Abend.
Horst Viehmann
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Die Alten respektieren und die Jugend ernst nehmen
Ein Bericht über einen Gesprächsabend im Jedermann- und Jedefrau-Kreis
Trotz großer Hitze und der Wahl des Bundespräsidenten war die Gesprächsrunde am 30. Juni gut besucht. Das Thema war offenbar interessant genug und wohl auch die beiden Referenten, der Bürgermeister der Gemeinde, Helmut Meng, und der Vorsitzende des Kinder- und Jugendparlaments, Sebastian Döpke. Es wurde lebhaft diskutiert, das Thema aber längst nicht ausgeschöpft, ist es doch reichlich Stoff für mehrtägige Seminare.Dennoch kamen interessante Aspekte zum Vorschein. Da war die optimistische Sicht des Bürgermeisters, der in Neunkirchen-Seelscheid die Möglichkeiten und Chancen für Jugendliche, sich zu treffen, Aktionen durchzuführen, Kindergärten und Schulen zu finden und in Vereinen, Sport zu treiben, als sehr gut schilderte.Er hielt die Kommunikation zwischen Jung und Alt für verbesserungswürdig, sah allerdings auch keinen besorgniserregenden Konflikt zwischen den Generationen. Die Jugend werde häufig schlechter gesehen, als sie tatsächlich sei. Manchmal seien die Erwachsenen nicht offen genug für heutige jugendliche Bedürfnisse. Furcht in der Begegnung mit jugendlichen Gruppen sei nicht selten anzutreffen, was natürlich die Kommunikation behindere.
Dazu steuerte Rolf Baum ein eindrucksvolles Beispiel bei: Seine Tochter habe bei der Besichtigung ihres Hausrohbaus dort eine fremde Gruppe Jugendlicher bei gemütlichem Zusammensein im Inneren des Rohbaus angetroffen. Sie habe vor der Entscheidung gestanden, Polizei zu rufen oder die Jugendlichen vernünftig anzusprechen. Sie habe sich für das Gespräch entschieden und dabei harmlose junge Menschen entdeckt, die für ihr Zusammensein eine Art Unterkunft gesucht und in ihrem Rohbau gefunden hatten. Dies ist deshalb besonders eindrucksvoll, weil gerade durch die dramatisierende Berichterstattung in den Medien das Vorurteil einer generell gewalttätigen Jugend im Bewusstsein der älteren Menschen leider vorherrschend ist. Gerade dies trifft aber nicht zu. Wie auch ein anderes vom Bürgermeister auch schon angesprochenes Vorurteil von der angeblich immer schlimmer werdenden Jugend nicht zutrifft. Die Jugend ist besser als ihr Ruf.
Sebastian Döpke meinte, es stimme schon, dass die jungen Leute den Alten manchmal den nötigen Respekt versagten. Er gestand, dass manche Wünsche im Kinder- und Jugendparlament nicht beschlossen würden, weil man doch wisse, dass das nötige Geld fehle. Die Runde ermunterte ihn aber dazu, unabhängig von den aufzubringenden Kosten die Wünsche der Jugendlichen erst einmal zu artikulieren und an die Gemeinde heran zu tragen. Die sich anschließende Frage an den Bürgermeister, ob er das Kinder- und Jugendparlament ernst nähme, beantwortete dieser mit dem Hinweis, er sei in jeder Sitzung des Parlaments zugegen.
Fazit des Bürgermeisters, das vom Vorsitzenden des Kinder- und Jugendparlaments bestätigt wurde: In Neunkirchen-Seelscheid sei die Lage der Jugendlichen im Ganzen gesehen verhältnismäßig komfortabel, zumal sich auch örtliche Initiativen der Kirchen, des Kinderschutzbundes, der Vereine und anderer Organisationen mit guten Ergebnissen einbrächten.
Nun schien diese sehr optimistische Sicht nicht alle Teilnehmer zu überzeugen. Die schlechte Verkehrsanbindung, fehlende kulturelle Ereignisse für junge Menschen, Disco, Kino und Ähnliches würden doch sehr vermisst. Und die schwierige Haushaltslage der Gemeinde stehe sicherlich einer substantiellen Verbesserung der Lage entgegen.
Einig war sich die Runde auch, dass die Elterngeneration besonders wichtig sei. Wenn es Klagen über die respektlosen Jugendlichen gebe, müsse man die Verantwortung der Eltern betonen, die dieser Aufgabe häufig nicht ausreichend gerecht würden.Und einen wichtigen Aspekt brachte eine der beiden ganz jungen Teilnehmerinnen aus der kirchlichen Jugendgruppe ins Gespräch: In der Zeit der Pubertät, der Ablösung vom Elternhaus, sei der außer familiäre Einfluss mächtig. Das beeinträchtige nicht selten das Kind-Eltern-Verhältnis negativ. Da sei besondere Sensibilität der Eltern nötig, resümierte sie unter Zustimmung der Runde.
Eine weibliche Rüge musste der Bürgermeister hinnehmen, als er davon sprach, dass die Notwendigkeit von Krippenplätzen für Kinder unter drei Jahren auf dem zunehmenden staatlichen Druck auf junge Mütter zur außer häuslichen Mitarbeit beruhe. Er möge zur Kenntnis nehmen, wandte eine junge Frau selbstbewusst ein, dass viele Mütter eine solche Mitarbeit auch ganz freiwillig und auch ausgesprochen gerne übernähmen.
Zu kurz kam an diesem Abend die Situation der älteren und alten Menschen in Neunkirchen-Seelscheid und auch ihr Verhältnis zur Jugend. Auf Nachfrage berichtete der Bürgermeister, dass der Anteil der alten Menschen in Neunkirchen-Seelscheid hoch sei und zunehmen werde. Das schaffe natürlich Probleme auch für die Zukunft. Da gebe es viel zu tun. Nicht wenige Menschen seien sich dieser unausweichlichen demografischen Entwicklung nicht bewusst.
Betreuung, Ansprache, Verkehrsverbindungen, Veranstaltungen und Dienstleistungen seien als Angebote sehr zu verbessern, war die allgemeine Meinung. Da müsse jetzt schon etwas mehr getan werden, auch um das Bewusstsein der Bürger für diese Problematik zu sensibilisieren.
Leider war die Zeit da schon fortgeschritten, und so konnte dieser wichtige Bereich nicht mehr ausreichend diskutiert werden. Aber er sollte auf der Tagesordnung des Gesprächskreises bleiben.
Für das nächste Treffen im September entschieden sich die Teilnehmer allerdings mehrheitlich für einen Vorschlag von Kirsten Steffens: der „Große Unernst“. Damit soll ein zu beobachtendes Missverhältnis zwischen der alltäglichen Realität mit ihren zum Teil existenziellen Notwendigkeiten einerseits und der durch Politik und Medien vermittelten, häufig konstruierten und verzerrten Scheinwelt andererseits beleuchtet werden. Auch ein spannendes Thema.
Ohne dem Thema des Abends und der Frage nach dem Verhältnis zwischen Jung und Alt ganz gerecht zu werden, war es doch ein informativer und unterhaltsamer Abend. Den Referenten sei gedankt.
Horst Viehmann, 2. Juli 2010
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Eine Erwiderung auf Herrn Fischer
Natürlich hat Herr Fischer Recht, wenn er verlangt, dass auch konträre Diskussionen in Berichten über Verlauf und Ergebnis eines Gesprächsabends ihren Platz finden müssen. Dies geschieht ja auch, wenn ich das richtig sehe, in den bisherigen Berichten zu den Gesprächsabenden des Jedermann- und Jedefrau-Kreises. Exemplarisch sei auf meine Anmerkungen zu den Diskussionen über die Frage der Notwendigkeit von Steuern und zur Stadtwerdung Neunkirchen-Seelscheids verwiesen. Und im übrigen kann ja auch jeder seine Meinung in der Userecke darstellen, wenn er konträre Inhalte vermisst.
Nun war Herr Fischer zwar bei der Steuerdiskussion anwesend, nicht aber bei der Diskussion zur inklusiven Erziehung. Und da sei ergänzend nachgetragen, dass es in der Grundsatzfrage, ob inklusive Erziehung ein erstrebenswertes Ziel sei, keine konträre Meinung gab. Insoweit war man sich rundum einig.
Zweifel wurden allerdings laut, ob dies im Bewusstsein der Gesellschaft ausreichend Unterstützung fände und ob nicht Ängste von Eltern um mangelnde Bildungsvermittlung in inklusiven Einrichtungen dem Ziel hinderlich entgegen stünden. Es wurde auch befürchtet, dass die personellen und sächlichen Bedingungen wegen Geldmangels von den Trägern der Einrichtungen, meist den Kommunen, nicht gewährleistet werden könnten. Dies kommt - liest man den Bericht über den Abend mit der notwendigen Aufmerksamkeit - auch deutlich zum Ausdruck.
Keine einzige Stimme aber wurde - wie gesagt - gegenüber dem Ziel der inklusiven Erziehung geäußert. Im Gegenteil es wurde der Beschluss gefasst, den Bürgermeister der Gemeinde über die einhellige Meinung des Gesprächskreises zu unterrichten und nach dem Stand der inklusiven Erziehung in Neunkirchen-Seelscheid zu fragen.
Dies ist geschehen. Der Bürgermeister hat in einem Telefongespräch und in schriftlichen Unterlagen über die - im Sinne der inklusiven Erziehung - positive Situation in der Gemeinde berichtet sowie sein und der Gemeinde Engagement zum Ausdruck gebracht. Neunkirchen-Seelscheid sei insoweit ein positives Beispiel für viele andere Gemeinden, wie man aus entsprechenden Fragen und Besuchen wisse.Vielleicht setzen wir in späteren Gesprächsabenden, das Thema erneut auf die Tagesordnung, schon deshalb, weil die UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen durch die Ratifizierung im vergangenen Jahr geltendes Recht in Deutschland geworden ist und deshalb die Entwicklung dieser Aufgabe mit Interesse und Aufmerksamkeit begleitet werden sollte.
Horst Viehmann, 25.06.2010
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Die inclusive Schule eine Vision
Leider konnte ich aus terminlichen Gründen an dieser ,(sowie auch an der nächsten Gesprächsrunde) nicht teilnehmen.Daher las ich mit großem Interesse den nachfolgenden Kommentar.Obwohl hier von einer lebhaften Diskussion gesprochen wurde,vermisse ich bis auf kleine Randbemerkungen evtl.geäußerte konträre Meinungen, die ich mir gerade bei diesem Thema vorstellen kann.Ich würde mir in Zukunft wünschen,daß nicht nur die vorherrschende allgemeine Meinung zu einem Thema dargestellt wird,sondern auch die evtl.geäußerten konträren Gedanken ihren Platz im Kommentar finden.
Erich Fischer, 20.Juni 2010
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Die inklusive Schule eine Vision
Am 5. Mai 2010 hat sich der Jedermann- und Jedefrau-Kreis mit dem Thema der inklusiven Bildung beschäftigt. Ein wichtiges Thema. Und es war wiederum ein interessanter Abend mit lebhafter Diskussion. Das Thema passt zu einer christlichen Gemeinde. Entspricht es doch der konkreten Umsetzung im alltäglichen Leben, was Jesus von Nazareth meinte, als er seine Zuhörer in der Berg-Predigt zur Nächstenliebe verpflichtete.
Was ist nun „Inklusive Bildung“? Sie ist die Vollendung der integrativen Erziehung, die nach den neuen Schulgesetzen eine wesentliche Aufgabe auch der allgemeinen Schulen ist. Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf, etwa mit geistiger oder körperlicher Behinderung sollen nicht mehr nur an sonderpädagoischen Förderschulen, sondern möglichst auch an allgemeinen Schulen unterrichtet werden. Behinderte Kinder werden nicht mehr getrennt von „normalen“ Kindern unterrichtet. Sie werden nicht mehr in Gruppen Behinderter zusammengefasst. Sie werden nicht mehr ausgegrenzt, werden nicht mehr stigmatisiert mit all den schlimmen Konsequenzen für ihre Entwicklung. In der individuellen Entwicklung der Kinder könnten viele spätere Defizite vermieden werden. Aber auch die Allgemeinheit würde von einer solchen Entwicklung profitieren. Prävention ist auf nahezu allen Feldern des Lebens auch ein Gebot zur nachhaltigen Defizitvermeidung. So könnten etwa bei zahlreichen Behinderungen viele spätere Notwendigkeiten zur Förderung entfallen, weil selbst bestimmtes, eigenverantwortliches Leben oder mit nur geringer Fremdbegleitung möglich wäre. Es könnten erhebliche Kosten und Aufwendungen zur Pflege vermieden werden.
Doch auch nicht behinderte junge Menschen profitieren von integrativer Erziehung. Die Sensibilisierung für die unterschiedlichen Schwächen und Stärken der Menschen werden ihnen zum selbstverständlichen Bestandteil menschlicher Gesellschaft. Sie lernen mit solchen Unterschieden umzugehen, lernen Fürsorge und Empathie für Schwache und lernen, Verantwortung zu übernehmen. Ihre emotionale Intelligenz wird gestärkt, ihre soziale Einbindung in die Gesellschaft wird alltäglich erfahren. Und auch ihre eigenen Stärken werden gefördert. Dies führt sie zu Leistungen, die nach wissenschaftlichen Erkenntnissen den Leistungen in traditionellen Klassenverbänden nicht nachstehen, sondern eher überlegen sind. Die Ängste von Eltern, ihre begabten Kinder könnten in integrativen Klassen auf ein schwächeres Niveau absinken, sind offensichtlich unbegründet.
Der kulturelle Gewinn aber für eine humane, friedlich gesinnte, auf Nächstenliebe gegründete Gesellschaft, fast ein Hauptgewinn, wäre zwar eine Art Nebenprodukt. Er wäre aber dennoch eine reiche Ernte, die unserer heutigen Spaß- und Gewinnergesellschaft Kraft und Motivation geben könnte, Habsucht und blanken Eigennutz als derzeitige Hochwerte zurück zu drängen und den Schwachen in unserer Gesellschaft mehr zugeneigte Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen. Ein solcher Erfolg wäre ein gewaltiger rechtlicher und auch kultureller Schritt in eine menschenrechtlich orientierte, humane Gesellschaft.
Zur Integration geschieht schon viel an zahlreichen Schulen unseres Landes durch bauliche Vorkehrungen und durch engagierte Menschen, Eltern, Erzieher und Lehrer. Aber es ist nicht genug. Es ist längst nicht allgemeine Überzeugung, dass die Integration behinderter Kinder notwendig ist. Christlicher und rechtlicher Verantwortung, der Bereicherung unserer Kinder, ob behindert oder nicht, aber auch um Schaden von Gesellschaft und Staat abzuwenden oder zu mindern, ist diese Notwendigkeit geschuldet. Da muss noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden.
All dies ist weltweites Gebot, wenn auch längst noch nicht weltweite Realität. Am 13. Dezember 2006 hat die Vollversammlung der Vereinten Nationen das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen beschlossen. Seit dem 26. März 2009 ist das Abkommen nun auch bei uns innerstaatlich verbindlich. In Artikel 24 heißt es unter anderem, „gewährleisten die Vertragsstaaten ein integratives Bildungssystem.“ Die deutsche Übersetzung benutzt den Begriff „integrativ“ für das Wort „inclusive“, wie es im Originaltext steht. Das ist nicht korrekt, denn „integrativ“ lässt sonderpädagogische Ausgrenzung noch zu, während „inklusiv“ dies ausschließt. Der Unterschied besteht darin, dass „integrativ“ aus der Sicht der Bildungseinrichtungen gesehen auch Anpassung von Behinderten an und in die bestehenden Strukturen verlangt, während „inklusiv“ solche Anpassungsleistungen vom Bildungssystem, von der Schule also zugunsten der Behinderten meint. Inklusive Bildung reicht deshalb weiter als integrative Bildung. Aber es wäre schon sehr viel erreicht, würden wir die vereinzelten Fortschritte der integrativen Bildung bei uns in flächendeckende Versorgung Behinderter ausweiten können.
Inklusion wird wohl auf lange Sicht eine kaum erfüllbare Vision auch in Deutschland bleiben, obwohl die VN-Konvention innerstaatlich verbindliches Recht ist und obwohl die Übersetzung hinter der inhaltlichen Forderung der Konvention zurückbleibt. Aber als anzustrebendes Ziel, als noch ferner, aber sichtbarer Horizont, eben als Vision wird uns Inklusion stetige Mahnung, ja Verpflichtung sein müssen.
Frau Lucia Schneider vom Verein "Schule für alle" aus Hennef hat unserem Gesprächskreis mit ihrem überzeugenden und auch bewegenden Vortrag eine nachdenkliche Diskussion gebracht und eine sicher über den Tag hinaus wirkende Sensibilisierung beschert. Dafür gebührt ihr Respekt und Dank.
Horst Viehmann, 7. Mai 2010 |
Stadt oder Dorf
Der Jedermann- und Jedefrau-Kreis hatte sich gestern zum Thema „Die Kirche im Dorf lassen oder sie zu einer Stadtkirche machen“ im Gemeindehaus getroffen.
30 Interessierte waren erschienen, die Diskussion lebhaft. Die Jugendamtsleiter aus Siegburg und Troisdorf trugen ihre Sicht zu der Frage vor, der eine aus der Sicht einer Stadt mit 40 Tausend, der andere mit 82 Tausend Einwohnern. Eine subjektive Sicht, wie beide betonten, bei der ihnen die Freude an den Gestaltungsmöglichkeiten in der Jugendhilfe eine euphemistische Bewertung ermöglichte. Zur Kostenfrage und zur Unsicherheit von Prognosen dazu verhielten sie sich eher zurückhaltend, insbesondere in Bezug auf eine doch erheblich kleinere Gemeinde mit knapp über 20 Tausend Einwohnern.
In der Diskussion wurde deutlich, dass die Unzufriedenheit mit der derzeitigen Situation in der Außenstelle des Kreisjugendamtes im Rathaus zu Neunkirchen eher auf personelle Unzulänglichkeiten zurück gehe als auf strukturelle Defizite. Daran schloss sich die logische Frage an, ob man des Aufwandes der Stadtwerdung mit der dann gegebenen Möglichkeit eines eigenen Jugendamtes bedürfe, um die Lage zu verbessern. Dies traf auf viel Skepsis. Ein Personaltausch könnte in solcher Lage die sinnvollere Alternative sein.
Ein eindeutiges Ergebnis ergab die Diskussion insoweit nicht, wohl aber, dass die Schaffung eines eigenen Jugendamtes sich nicht vornehmlich am ziemlich unsicheren Einsparpotential, sondern an der Verbesserung der Betreuung und Förderung junger Menschen zu orientieren habe. Und da sei die Sorge groß, dass nicht ausreichend qualifiziertes Personal zur Verfügung stünde, um etwa Vertretungen in Urlaubs- oder Krankheitstagen gewährleisten zu können oder präventive Schwerpunktsetzungen zu ermöglichen. Dafür sprächen neben regionalen Erfahrungen Empfehlungen überregionaler Verbände, die bei zu kleinen Gemeinden von eigenen Jugendämtern eher abräten.
Die weitere wichtige Pflicht-Aufgabe der unteren Bauaufsicht, die mit einer Stadtwerdung verbunden sei, wurde nur am Rande thematisiert. Immerhin weist selbst die gemeindliche Informationsbroschüre auf die Gefahr der „mangelnden Distanz zu `Begehrlichkeiten` vor Ort“ (zu deutsch: Klüngelei) hin, allerdings auch auf die Vorteile schnellerer Bearbeitung eines Verfahrens zur Baugenehmigung.
Insgesamt eine interessante Diskussion.
Beim nächsten Thema am 5. Mai geht es um „Schule für alle“ (Inklusion). Es wird mit einem kleinen Film in das Thema eingeführt.
Horst Viehmann, 30. April 2010
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Hallo Ev. Kirchengemeinde Seelscheid,
Auch uns hat der Vorstellungsgottesdienst ausnehmend gut gefallen. Lebendig, fröhlich und ungezwungen wurde gemeinsam gefeiert. Der Freundechor war eine ausgesprochene Bereicherung, ohne zu sehr im Vordergrund zu stehen.
Einzig bzgl. des Applaus empfinde ich ähnlich wie Frau Viehmann. Während des Gottesdienstes singen wir (incl. Chor) doch, um Gott zu loben. Klatschen erscheint mir unpassend, wenn hierzu Bedarf besteht, finde ich es am ehesten nach dem Ausgangssegen angebracht.
Der Versuch, die Gemeinde zum Singen eines Kanons zu bewegen, war für mich hingegen "der absolute Bringer". Nach meinem Eindruck bemühten sich auch ausgesprochene Gesangsmuffel, "ihre Gruppe" nach besten Kräften zu unterstützen, und wenn hierbei die Stimmen unterschiedlich durchhielten und nicht einwandfrei aufeinander abgestimmt waren, so hat es doch zumindest meinem Mann und mir sehr viel Spaß gemacht. "Gott achtet auf dich, wenn Du arbeitest; aber er liebt Dich, wenn Du singst." (Rabindranath Tagore) Ich würde hinzufügen - ungeachtet der Qualität Deines Gesangs.
Karin Ueberhorst
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Neuer Durchblick mit Tiefe
Ganz ohne Gerüst und mit frisch geweißten Wänden, dafür mit den von den diesjährigen Konfirmanden gestalteten bunten Kirchenfenstern empfing uns die Kirche zu einem festlichen fröhlichen Gottesdienst. Da die Konfirmanden des Jahres 2010 sich vorstellten, füllten viele Eltern und Verwandte den Raum, um diesen Gottesdienst mit zu feiern. Ich glaube, viele Eltern ließen sich beeindrucken. Hoffentlich regt dieses Erlebnis sie an, öfter in die Kirche zu kommen und die Gemeinschaft und die Hoffnung zu spüren, die aus solchen Gottesdiensten erwächst. Vielleicht haben einige sogar ganz neue Seiten an ihren Kindern entdeckt, die mit so großem Engagement und mit Ernst und Verständnis den Schöpfungs-Text vortrugen und über das Werk Gottes, Leben und Opfertod Jesu Christi und die Kraft des Heiligen Geistes meditierten. Schön wäre es, wenn sie alle weiter von diesem Gefühl der Geborgenheit und Gemeinschaft getragen und sie auch nach der Konfirmation den Mut haben, Gott zu vertrauen und die Stärkung im Gottesdienst der Gemeinde zu erfahren. Das gemeinsame Singen der Lieblingslieder der Konfirmanden sollte dazu führen, dass wir diese Lieder häufig im Gottesdienst singen, denn dann werden wir hoffentlich auch in Zukunft bei normalen Gottesdiensten von ihnen kräftig unterstützt werden.
Zum Gelingen dieses Gottesdienstes trug in besonderem Maße auch der Freundechor bei. Schade war, dass durch das sicher verdiente, aber die feierliche Stimmung doch ein wenig störende Klatschen viele Unterbrechungen erfolgten. Könnte man sich da nicht darauf einigen, dies auf einen Schlussapplaus zu beschränken?
Irmgard Viehmann
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Gesprächskreis „Jedermann und Jedefrau“
Beim Treffen am 3. Februar wurde zum Thema „Steuern zahlen Lust oder Frust“ lebhaft und durchaus auch kontrovers diskutiert. Dabei waren sich die Teilnehmer allerdings einig, dass zur Gewährleistung der Grundrechte, der Vorsorgemaßnahmen, der Infrastruktur, der Sicherheit etc. dem Staat ausreichende Finanzmittel zur Verfügung stehen müssen. Im Detail ging es um Höhe der Steuern, um die Fragen, wer entscheidet über die Verwendung und muss der Staat wirklich alles, was er derzeit tut, tatsächlich vorhalten und erledigen. Brauchen wir nicht auch mehr individuelle Verantwortung, Mitwirkung und konkrete Übernahme von notwendigem Handeln. Alle waren sich einig, dass die Anhäufung von Schulden staatliche Stabilität und Zukunft der Generationen gefährden und deshalb unter allen Umständen abgebaut werden müssen. Im Laufe der Diskussion wurden Klagen geführt über bürokratische Hindernisse bei der Übernahme von Aufgaben durch einzelne Bürger oder Gruppen sowie bei wirtschaftlicher oder sozialer Eigeninitiative.Und schließlich ging die Diskussion hart mit der Glaubwürdigkeit von Politikern ins Gericht. Auslöser war die Zahlung von Honoraren der Steinkohle AG an die Landtagspräsidentin und deren Stellvertreter. Es wurde beschlossen, einen Protestbrief an den Ministerpräsidenten und die Fraktionsvorsitzenden zu schreiben und sich um Gespräche mit Landtagsabgeordneten zur Frage von Anstand und Moral der Abgeordneten zu bemühen. Beides ist inzwischen erfolgt. Die Briefe sind abgeschickt, ein Gespräch wird am 25. März mit dem Fraktionsvorsitzenden der FDP im Landtag in Düsseldorf stattfinden. Interessenten können sich noch melden.Natürlich wurden auch die Vorgänge und Absichten um die Daten von Steuerhinterziehern aus der Schweiz erörtert kontrovers mit einer Mehrheit für den Ankauf der angebotenen Dateien.Ein spannender Abend.
Die nächste Gesprächsrunde wird am Mittwoch, 05. Mai, 20 Uhr, im Gemeindehaus stattfinden zum Thema „ Eine Schule für alle Kinder ist unser derzeitiges Schulsystem überholt?“
Horst Viehmann, 09.02.2010
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Erwiderung:
Leider sieht es so aus, als würde der ausdrücklich als Diskussionsbeitrag bezeichnete Text meines Mannes niemanden zu einer Gegenmeinung animieren. Schade, denn in der User-Ecke kann man offen über Fragen diskutieren, die die Gemeindemitglieder bewegen, ob sie nun eifrige Kirchgänger sind oder nicht.
Ich teile beispielsweise nicht die Meinung meines Mannes, dass das Aufstehen beim Verlesen von Bibeltexten oder beim Gebet die Konzentration stört. Allerdings fällt mir das Aufstehen auch nicht so schwer wie ihm. Ich finde im Gegenteil, dass das Stehen auch ein Ausdruck der Demut vor Gott ist und schon deshalb beibehalten werden sollte. Wenn ich beim Stehen und Beten dann auch noch die Augen schließe, gelingt mir die Konzentration ohne Schwierigkeiten. Bei den vielen Reizen, denen wir heute überall ausgesetzt sind, freue ich mich immer, wenn ich in der Kirche beim Gottesdienst Muße und Gelassenheit finde und daran erinnert werde, dass ich nicht selbst das Maß aller Dinge bin.
Irmgard Viehmann, 01. Januar 2010 |
Freiheit im Geiste des Herrn. Ein Diskussionbeitrag.
Es ließe sich viel sagen und schreiben über die Veranstaltungen der evangelischen Kirche in Seelscheid rund um das vergangene Wochenende des 12. / 13. Dezember 2009. Meist Gutes, manchmal auch weniger Gutes, Schlechtes eigentlich nicht, allenfalls manches nicht einleuchtende Aufstehen etwa beim Vorlesen eines Bibeltextes. Diese Übung macht uns zu Steh-auf-Menschen. So wichtig das im alltäglichen Lebenskampf sein mag, hier schwächt es nur die Konzentration der Zuhörer und verfehlt auf diese Weise den eigentlichen Sinn der Lesung, den Text wahrzunehmen, zu bedenken und zu befolgen. Die Gemeinde bleibt aber bei diesem liturgischen Ritual, obwohl es aus dem 19. Jahrhundert (1886) stammt, wie ich kürzlich einem schönen Beitrag von Pastor Dr. Haarhaus den Seelscheider Heimatblättern 2009 über den Vorgängerpastor Prof. Dr. Julius Smend entnehmen konnte. Nicht so gut auch die der Grippewelle geschuldete Form des Abendmahls, bei der das Brot in den Wein getaucht wird, das sogenannte „Intincto“, das durch seinen lateinischen Namen einen ehrwürdigen Anschein bekommt, dadurch in seiner sakramentalen Substanz aber nicht besser wird. Die Würde des Abendmahls geht dabei verloren. Da wäre weniger mehr. Mich erinnert es an den „Ducke-Sirup“ meiner Kindheit, den man, weil zu flüssig geraten, nicht auf das Brot streichen konnte, sondern das Brot in ihn hinein tauchen, „ducken“, musste. Aber nicht jeder mag solche Assoziationen haben.
Glänzend gelungen war der Adventsabend im Gemeindehaus für die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Dank für ihre Arbeit. Kirchliches Leben ist ohne die ehrenamtliche Arbeit gar nicht vorstellbar. Der vorausgehende Gottesdienst mit den Überlegungen zu „Gott geht“, „Gott geht unter“ und „Gott geht unter die Leute“, einer überzeugenden Metapher von aktueller gesellschaftlicher Befindlichkeit und einem verheißenden Weg zur Hoffnung, doch nicht unter zu gehen, versöhnten mit dem „Intincto“ ebenso wie der kleine, aber feine Chor, dessen Gesang in der Gruppe und durch seine Solisten der Feierlichkeit der Zusammenkunft adventlichen Inhalt von der frohen Botschaft und Zuversicht vermittelnde Rahmung gab.
Schön auch der sonntägliche Taufgottesdienst mit der Bläsergruppe, deren kraftvolle Intonierung manchem Lied die Qualität von „fester Burg im Glauben“ beim unvermeidbaren fröhlichen Gewusel der Kleinkinder in den Bankreihen und der Täuflinge auf dem Arm des Pfarrers gab. Wie so häufig waren auch diesmal die Taufsprüche Marksteine der Taufe als Aufnahme in die Gemeinschaft der Christen und berührende Zeugnisse der Suche der Eltern und Paten nach einem Sinn der Hoffnung für die Zukunft ihres Kindes.
Mich hat diesmal der Taufspruch aus dem zweiten Brief des Paulus an die Korinther besonders beeindruckt. „ Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“, heißt es in Vers 17 des 3. Kapitels. Wie immer diese Aussage aufgefasst und verstanden wird, sie vermittelt eine Lebensweisheit und eine Lebensgewissheit, die ein Leben lang Orientierung und Maßstab sein kann. So richtig geschaffen für einen Taufspruch. Der Geist des Herrn garantiert Freiheit. Ein Leben im Geiste Christi, in dessen Überzeugungen, Bitten und Verheißungen ist ein Leben in Freiheit. Kein menschliches Gesetz, kein religiöses Ritual, kein äußerer Zwang können das Leben beeinträchtigen, wenn es im Geist des Herrn gelebt wird. Diese Zuversicht verhilft zu einem Leben in Verantwortung vor Gott und in der Gnade Gottes. Ein wünschenswertes Leben. Dieser Taufspruch ist wunderbarer Begleiter für das Patenkind auf seinem künftigen Lebensweg.
Es gab noch andere schöne Momente in diesen Veranstaltungen des vergangenen Wochenendes. Sie bleiben unerwähnt, weil die Aufnahmebereitschaft des Lesers mit zunehmender Länge abnimmt. Ein kultureller Verlust in der „Tradition“ der Bildzeiung.
Horst Viehmann, 15. Dezember 2009
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Mauern überwinden....
Der ökumenische Friedensgottesdienst am Buß- und Bettag, der von Jugendlichen mitgestaltet wurde, war ein Erlebnis für mich.
Die Dankbarkeit für die Grenzöffnung vor 20 Jahren, aber auch die noch bestehenden Grenzen und Krisengebiete in aller Welt, einschließlich der Grenzen in unseren Köpfen, waren in Gebet, Fürbitten, Predigt, Musik und Klang eingebunden.
Das Lied: Mauern überwinden... mit aktuellem Text hat auch unsere zwölfjährige Enkeltochter beeindruckt.
Ein Mädchenchor aus Japan war der Höhepunkt des Abends. Ich habe noch nie jugendliche Stimmen (12-16 Jahre) in einer so wunderbaren Harmonie und Präzision gehört.
Allen, die diesen Gottesdienst vorbereitet und gestaltet haben möchte ich mit diesem Gruß danken.
Der Text des gemeinsam gesprochenen Glaubensbekenntnisses darf hier nicht fehlen:
Ich werde nicht Glauben ans Haben und Behalten, an Unfrieden und Krieg, an geballte Fäuste. Ich will glauben ans Schenken und Empfangen, ans offene Reden und Verzeihen, ich glaube an geöffnete Hände.
Ich will nicht glauben, dass Menschen besser sind, weil sie mehr verdienen, schöner wohnen, geschickt und klug sind. Ich will glauben, dass Menschen besser sind, weil sie sich mehr kümmern um ihre Mitmenschen.
Ich werde nicht glauben an Mauern, Grenzen, Rassen. Ich will glauben an freie Länder, offene Häuser, gastfreie Menschen in allen Farben des Regenbogens.
Ich werde nicht glauben an ein unglückliches Ende, alles verschmutzt und verbraucht. Ich will glauben an einen neuen Anfang, wo alles geheilt und gleich verteilt ist.
Ich werde nicht glauben an einen Geist, der voneinander trennt. Ich will glauben an den Geist Gottes, den Geist Jesu, der Menschen zusammenführt, bis alles vollendet ist. Amen
Wenn Menschen aller Religionen und Rassen dieses Glaubensbekenntnis sprechen könnten - das wäre wunderbar.
Dina Becker, 20. November 09 |
Eine Geburtstagsfeier
Es ist ein schöner Brauch der Kirchengemeinde, die älteren Geburtstags"kinder", die über 70jährigen, alle drei Monate zu einer gemeinsamen Geburtstagsfeier einzuladen. Nun, was ist das schon, mag mancher denken; Kaffee und Kuchen kann ich auch zu Hause genießen. Doch - falsch gedacht. Das gemeinsame Feiern und Genießen hat eine andere Dimension. Wer dabei war und die leuchtenden Augen vieler älterer Menschen gesehen hat, weiß, wovon ich rede. Ältere Menschen leben ja oft zurückgezogen und nicht selten auch ganz allein. Da ist schon der Wechsel der Umgebung vom noch so gemütlichen häuslichen Zimmer in den festlich geschmückten Saal des Gemeindehauses ein Erlebnis. Und dann trifft man dort die Bekannten und Freunde aus früheren Tagen, kann sich austauschen über neuere Entwicklungen und kann sich freuen an schönen Erinnerungen, die ja meist verklärende Vorstellungen vergangener Ereignisse sind.
Das gemeinsame Feiern und Genießen wäre allerdings nur halb so schön gewesen, hätte es nicht die freiwilligen Helfer gegeben, die mit Freude und vielen guten Worten Kaffee und Tee ausgeschenkt, wunderbaren, selbst gebackenen Kuchen serviert, Wein und Wasser kredenzt und so die Stimmung so richtig festlich ausgestaltet haben. Solch vielfältige Auswahl wohlschmeckender Kuchen und Torten gibt es nur bei wenigen Konditoren. Die Krönung war eine Schwarzwälder Kirschtorte, die auf einem in die Höhe gestrecktem Arm einer jungen Fau, also sichtbar für alle, in den Saal getragen wurde. Mancher, so auch ich, hat sich schon von dem herrlichen Anblick verführen lassen, sich nun auch noch diesen besonderen Genuss zu gönnen.
Es wurde musiziert und gesungen. Herr Baum war unermüdlich am Klavier und Schifferklavier. Er spielte vertraute Weisen und begleitete den Gesang der Alten, der vom Chor der Jungen schön ergänzt wurde. Zum Abschluss gab es noch ein kleines Engelsgeschenk, mit dessen Licht der Alltag erhellt und mit dessen Spruchweisheit die kommende dunkle Winterzeit erträglicher werden soll.
Eine schöne Geburtstagsfeier an diesem herbstlichen 29. Oktober mit all seiner Farbenpracht draußen und an den geschmückten Tischen drinnen. Ein besonderer Dank für die Jungen und Mädchen für Gesang und Bedienung und für die fleißigen Frauen, die uns so liebevoll bewirtet haben. Und Dank auch an Herrn Baum für seine musikalische Umrahmung der Feier. Das möchte ich noch öfter erleben!
Horst Viehmann, 29.Oktober 2009 |
"Reden ist Silber, Schweigen ist Gold"
Das alte Sprichwort stellte Diakon Schlimm in seiner Predigt im heutigen Gottesdienst auf den Kopf. "Schweigen ist Silber und Reden ist Gold", lautete seine zentrale Botschaft.
Und erstaunlich genug - sie ist richtig!
Allerdings kommt es, wie so oft, auf den Standpunkt des Betrachters, auf den konkreten Zusammenhang an. Wenn Menschen Geheimnisse ausplaudern oder unaufhörlich schwätzen oder heimlich übereinander statt miteinander zu reden, hat das Sprichwort seine Berechtigung. Hättest Du doch geschwiegen, wärst Du Philosoph geblieben, wird uns von antiker Auseinandersetzung in Griechenland berichtet.
Nicht so bei Markus Schlimm. Er hatte uns Besucher des Gottesdienstes schon mit eindrucksvollen Sinnbildern eingestimmt. Im Chorraum und auf den Bänken rings um den Altar waren menschliche Figuren aus Pappe und Stoff an die Wand geheftet und auf die Bänke gesetzt, deren prägende Gestik das gegenseitige Umfassen ihrer Hände war, gemalt und ausgeschnitten von den Kindern einer Bibelfreizeit zum Thema "Freundschaft". Freundschaft sollte sichtbar zum Ausdruck gebracht werden. Jeder braucht einen Freund, sollten die Figuren signalisieren. Ohne ein Miteinander kommt der Mensch nicht aus. Er ist eben eine soziales Wesen, kein Einzelgänger, kein Eremit, kein Lebensverweigerer.
Dieses Thema griff die Predigt auf. Im normalen Alltag, aber besonderes in seiner Arbeit in der Seelsorge, selbst in den Familien, sei es manchmal schwer, an andere Menschen, an den Mitmenschen "heranzukommen", erläuterte Diakon Schlimm. Es sei schwer, ihr Vertrauen zu gewinnen, und es dauere häufig lange, bis sie ihre heimlichen Wünsche und Gedanken offenbarten, bis sie Einblicke in ihr Seelenleben gewährten. Diese Einblicke aber erst ermöglichten es, jemandem aus schwieriger Lage, aus seelischer Bedrücktheit herauszuhelfen. Und da stimme dann auch das Sprichwort nicht mehr, denn man müsse miteinander reden, um die Verschlossenheit aufzubrechen. Sich mitteilen, statt eine Mauer des Schweigens um sich aufzubauen. Einen Zuhörer zu finden, dem man seine Nöte offenbaren könne. So gesehen ist Schweigen nicht Gold, sondern zu reden verdient die Goldmedaille, sich mitteilen, sich offenbaren, Vertrauen schenken.
Es war eine ansprechende Predigt. Sie hätte eine größere Zuhörerschaft verdient gehabt, denn die Sprachlosigkeit in unserer Mediengesellschaft, der Mangel an menschlicher Kommunikation, die Mauern des Schweigens sind allgemeine Probleme unserer Gesellschaft. Und sie machen leider - auch vor den Familien nicht halt. Diakon Schlimm hat mit seiner heutigen Predigt den Finger auf eine brennende Wunde gelegt. Ihm gebührt Dank dafür.
Horst Viehmann, 30. August 2009 |
Die Kirche im Dorf
"Die Kirche im Dorf lassen". Das ist eine alte Weisheit. Sie besagt, dass man sich nicht von den Realitäten des Alltags abheben, sondern auf dem Boden bleiben soll. Eine vernünftige Aussage, um zu verhindern, dass wir uns von unseren Ursprüngen entfernen, dass uns die Visionen nicht vom Maß des Lebens trennen. "Schuster bleib bei deinen Leisten", ist ein vergleichbares Wort.
In der Diskussion um die kommunal-politische Frage "Dorf oder Stadt" Neunkirchen-Seelscheid gibt es ein politisches Plakat, auf dem eine Kirche mit einem Ortsschild "Gemeinde" versehen ist und dem Spruch. "Die Kirche im Dorf lassen". Lasst uns Gemeinde bleiben, lasst uns auf die Stadteigenschaft verzichten, ist die Botschaft. Endlich einmal ein einigermaßen intelligentes und pfiffiges Werbeplakat, vergleicht man es mit den häufig so geistlosen Sprüchen vieler anderer Plakate.
Im Mittelpunkt des heutigen Gottesdienstes stand das großartige Thema der Verheißung Jesu an seine Jünger: "... ich bin bei Euch alle Tage bis an der Welt Ende." Auf die Jünger, die Zweifel hegten, ist Jesus - so Matthäus in Kapitel 28, Vers 18 - zugegangen und hat besonders ihnen diese Zuversicht unmissverständlich vermittelt. "Ein feste Burg ist unser Gott", dichtet Luther zu dieser Verheißung in seinem bekannten Kirchenlied; eine stabile Kirche ist dort, wo gemäß dieser Verheißung Christi gelebt wird.
Passt in eine solche Thematik die zweifelnde Frage von der Kanzel, ob es in diesem Sinne nicht egal sei, an welchem Ort die Kirche stehe, im Dorf oder in der Stadt ? Es könnte der Eindruck entstehen, da werde von der Kanzel kurz vor der Wahl zu Ungunsten einer Partei in der aktuellen kommunal-politischen Diskussion Stellung bezogen. Ein solcher Eindruck wäre fatal, und eine solche Stellungnahme wäre der parteioffenen Haltung der evangelischen Kirche fremd. Schade um den wunderbaren Text des Matthäus-Evangeliums und die die Verheißung so glaubwürdig vermittelnde schöne heutige Predigt.
Horst Viehmann, 19. Juli 2009 |
Gedanken zum Fest "Christi Himmelfahrt".
Eine Kolumne des Leiters der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, Pater Eberhard von Gemmingen in der "Hörzu":
"Glauben Christen tatsächlich heute noch,dass Jesus von unsichtbarer Hand in den blauen Himmel gehoben wurde und hinter einer Wolke verschwand? Nein,sie verstehen unter Himmel etwas ganz anderes: Einen Zustand der Seligkeit....
Dieser Himmel ist nicht weit weg. Dieser Himmel ist in uns selbst, wenn wir eins sind mit unserem Schicksal, den Mitmenschen, mit Gott und der Welt...."
Wäre es nicht an der Zeit, dass unsere christlichen Kirchen den Inhalt dieses Festes glaubhaft neu definieren und damit das mittelalterliche Weltbild durch Aussagen ersetzen, die in unsere Zeit passen? Damit könnte dieses Fest das Image des Vatertages (den ich im Übrigen schätze) loswerden.
Erich Fischer |
Ostern
Viele fleißigen Hände sind nötig, um das Osterfest zu einem christlichen Fest zu machen. Wie schön, dass die Gottesdienste gut besucht sind. Die Krönung ist für viele Gemeindeglieder die Osternacht und das anschließende gemeinsame Frühstück im Gemeindehaus. Wenn ich in der Osternacht unsere Glocken wieder hören kann, bin ich richtig erleichtert. Aus den Erzählungen meiner Kinderjahre weiß ich ganz genau, dass die Glocken an Karfreitag nach Rom fliegen und deshalb hier bei uns nicht läuten können. Dann freue ich mich jedes Jahr aufs neue, dass sie am Ostersonntag wieder in unsere Kirche zurückgefunden haben. Gott sei Dank. Ohne unsere Kirchenglocken bin ich aufgeschmissen. Ich bekomme zuverlässig die Uhrzeit mitgeteilt, sie rufen mich zum Gottesdienst und erzählen mir auch, wenn eine Beerdigung ansteht. Sie sind fester Bestandteil in meinem Tagesfahrplan. So ist das mit mir und "meinen Kirchenglocken".
Monika Leuffen |
Wir laden ein zu einem
Jedermann- und Jedefrau-Kreis
zum faustischen Thema "Was die Welt im Innersten zusammen hält".
Statt im Fernsehen den Talkshows und ihren für uns als Zuschauer nicht sehr ergiebigen Diskussionen zuzusehen und zuzuhören, sollten wir selbst unsere Meinung darstellen und in Diskussionen mit anderen Meinungen vergleichen.
Ob sich ein solcher Kreis finden lässt und ob er über die Zeit Bestand haben wird, ist schwer abzuschätzen. Aber es dürfte einen Versuch wert sein, unterm obigen Thema über "Gott und die Welt" und über die "Welt und Gott" zu diskutieren.
Der Kreis sollte für alle offen stehen, für Christen, evangelische und katholische, Islam-Gläubige und Nicht-Gläubige, Frauen und Männer, Mädchen und Jungen, Schüler und in Berufsausbildung stehende junge Menschen, Handwerker und Akademiker, Militärs und Angehöriger ziviler Berufe, Politiker und Künstler und alle anderen, die Lust haben sich über den Sinn ihres Lebens und über die Bedingungen unseres Lebens in Gesellschaft und Staat ein wenig mehr Klarheit zu verschaffen.
Wir werden uns zu einem ersten Treffen zusammenfinden
am 22. April 2009, 20.00 Uhr
im ev. Gemeindehaus in Seelscheid neben der Kirche.
Wir haben uns als erstes ein kommunales Thema ausgesucht: "Stadt Neunkirchen-Seelscheid?"und/oder "Statt Neunkirchen Seelscheid?". Nach einer kurzen Einführung wollen wir zum Thema diskutieren. Vielleicht kommen wir zu einem einvernehmlichen Ergebnis, das wir dann in dieser Userecke veröffentlichen können.
Iris Quadt Markus Schlimm Horst Viehmann
Interessierte bitte anmelden unter:
i.quadt@seelscheid.de ; diakon.schlimm@seelscheid.de ; horst@viehmann.de,
natürlich auch per Telefon oder mündlich persönlich. |
Ihr sollt ein Segen sein
Der heutige Gottesdienst - ein oder das Highlight des Tages. Sie, der Sie nicht dabei waren, haben etwas versäumt.
Die Vorstellung der Konfirmanden im heutigen Gottesdienst stand unter der Frage, die zugleich das Motto dieser Vorstellung hätte sein können: „Segen was ist das eigentlich?“„Ihr sollt ein Segen sein“, stand einmal über einem Kirchentag als eine Art Verheißung. Und so war es heute auch. Ihr jungen Menschen sollt ein Segen sein, ein Segen für Eure Eltern und Verwandten, für Eure Freunde und Nachbarn, für Gott und die Welt und - vielleicht in erster Linie - für Euch selbst.
„Für Euch selbst“ hört sich vordergründig ziemlich egoistisch an. Ist es aber nicht. Es hat bei den jungen Menschen keinerlei materiellen Wert. Das kam in den zahlreichen Bekenntnissen der Mädchen und Jungen zur Bedeutung des Segens zum Ausdruck. Segen ist nicht etwas, das sich in Mark und Pfennig, in Euro und Cent beschreiben und bewerten lässt. Segen ist vielmehr die Bitte um Frieden in der Welt, in der man lebt, um Geborgenheit in der Familie, im Freundeskreis und auch in der kirchlichen Gemeinde, die Bitte um Gesundheit und Zufriedenheit. Ein Junge bat in seinen Worten zum Inhalt des Segens darum, von Gott und den Menschen „wichtig“ genommen zu werden. Das ist die Sehnsucht der Menschen, insbesondere der jungen Menschen, um Anerkennung, um Aufmerksamkeit. Darauf achten wir Erwachsenen viel zu wenig. Es mangelt an einer Kultur der Anerkennung, Anerkennung nicht immer nur für „Heldentaten“, sondern Anerkennung auch für die vielen kleinen Vorzüge und Handlungen der jungen Leute. Das ist viel wichtiger für die Entwicklung auf dem Weg, erwachsen zu werden, als Gut und Geld. Manche der Konfirmanden erbaten neben Geborgenheit und Anerkennung und das war für mich überraschend und zugleich eine wunderbare Erkenntnis - Freiheit, um die Möglichkeit, sich frei und ohne Zwang und ohne die Bindung an die Erwartung anderer zu entscheiden und sein Leben eigenständig und eigenverantwortlich zu gestalten. Dieses Bewusstsein für Freiheit ist außerordentlich wichtig für das eigene Leben und für ein Leben in unserer Gesellschaft. Freiheit in der Verantwortung vor Gott, so hat Martin Luther diese „Freiheit des Christenmenschen“ gekennzeichnet.
Es ließe sich noch viel mehr über diesen schönen und inhaltsreichen Gottesdienst sagen. Unser Kirchmeister, Heinz-Günter Scholz, hat es in seinem Dankeswort zum Ausdruck gebracht, die Betreuung der Konfirmanden durch Pastor Schleef und Diakon Schlimm, die ja nicht nur die seelsorgerische Seite „besorgt“ haben, sondern auch für philosophische Elemente ihrer Lebenshilfe verantwortlich sind, wie etwa heute für die Bedeutung des Segens für die Entwicklung der jungen Menschen. Der Dank galt auch Iris Quadt, die gute Fee in der Jugendarbeit der Gemeinde, nicht nur aber auch für die Gestaltung des Gottesdienstes heute mit dem wunderbaren Bild der farbigen Bänder, die als Strahlen vom Mittelpunkt der Kirche, wo sonst Erntedank-Krone und Adventskranz schweben, von jedem und jeder der Konfirmanden und Konfirmandinnen gezogen ein symbolisches Dach schufen über die vielen Besucher, Eltern, Verwandten und die Konfirmanden selbst. Und Dank auch an Miriam Schlimm für Gesang und Musik, in denen Segen erfleht wird von Gott und den Menschen für die Menschen und besonders heute für die jungen Menschen unserer Gemeinde.
Ein Segen für alle. Ein wahrhaft schöner, erbauender und ermutigender Dienst an Gott und den jungen Menschen!
Horst Viehmann, 15.03.09s |
Bezugnehmend auf meine Ausführungen vom 30.12.2008 sowie die Reaktion von Herrn Prof.Horst Viehmann möchte ich folgendes ergänzen:
Ein kleiner, aber vielleicht nicht unwichtiger Schritt, unsere kirchlichen Aktivitäten den passiven Mitgliedern unserer Gemeinde und natürlich besonders auch den Neubürgern bekanntzumachen, wäre z.B., die kirchlichen Nachrichten im Mitteilungsblatt der Gemeinde, welches ja sehr viele Familien erreicht, erweitert zu gestalten.Das würde bedeuten, dass neben der Aufzählung der wöchentlichen Aktivitäten in loser Folge ein Arbeitskreis oder Musikgruppe oder dergleichen ausführlich dargestellt wird. Das könnte für viele Menschen unserer Gemeinde Anlass werden, sich an diesen Veranstaltungen zu beteiligen bzw.sich selber einzubringen.
18.1.2009 Erich Fischer |
Gospelchor im Gottesdienst
Bettina Bernhardt schreibt " ... die Kirche hatte noch Plätze frei", als sie vom Gottesdienst am 1. Weihnachtsfeiertag und dem Konzert des Gospelchores darin berichtet, einem Gospeloratorium, wie sie es nennt. Hätten wir das gewusst, wären wir trotz der Müdigkeit vom Vorabend gekommen, zu sechst und voller Erwartungen und Vorfreude. So aber sind wir von der üblicherweise überfüllten Kirche ausgegangen, wenn der Gospelchor singt, und daheim geblieben.
Den Vorschlag von Frau Bernhardt halte ich für sehr erwägenswert und würde sogar dafür plädieren, den Gospelchor noch häufiger im Gottesdienst auftreten zu lassen bzw. ihn darum zu bitten. Vielleicht kämen dann auch jüngere Leute häufiger in die Kirche, die von den nicht selten völlig unbekannten Liedern mit den heutzutage manchmal befremdenden Texten nicht angesprochen werden. Wir leben eben nicht mehr in Zeiten des 16. und 17. Jahrhunderts mit den damaligen Problemen und Empfindungen,und auch das Verhältnis vieler Menschen zu Gott behaupte ich ist nicht mehr dasselbe wie damals. Eine ansprechendere Liedpraxis in unserer Kirche mit moderneren Texten, Melodien und auch Rhythmen halte ich für eine Möglichkeit neben anderen - , den Gottesdienst attraktiver zu machen, auch für Menschen, die jetzt nicht kommen.
Ob das funktioniert? Man könnte es probieren. Das hängt natürlich auch von Kapazität und Willen des Gospelchores ab. Wenn der es ermöglichen könnte, wäre ich dafür, dass er regelmäßig einmal im Monat im Gottesdienst auftritt, etwa am 1. Sonntag, zusammenfallend mit dem anschließenden Kirchen-Café. Dann könnte man auch an der Zahl der Besucher überprüfen, ob dies Erfolg hat.
Unabhängig aber vom Erfolg im Sinne einer größeren Besucherzahl wäre es natürlich wunderschön, den Gospelchor häufiger singen zu hören und zu sehen und sich in eine heitere und auch tröstlichere Stimmung versetzen zu lassen, als es viele der fast noch mittelalterlichen oder aus reformatorischen Zeiten stammenden Melodien und Texte vermögen.
Es gibt manches zu tun. Packen wir es an! |
Gospeloratorium anstatt Gottesdienst am Heilig Abend
Hallo, liebe Gemeindemitglieder!
Die Rangelei um die begehrtesten Plätze bei den Weihnachtsgottesdiensten ist auch mir und meiner Familie sehr wohl bekannt. Einige Jahre lang sind wir regelmäßig am Heilig Abend zum Krippenspiel gegangen. Zweimal gingen wir erfolglos wieder nach Hause, da die Kirche so voll war, dass unsere jüngeren Kinder eh nichts mehr gesehen hätten....wir waren wohl zu spät dran.
An dieser Stelle möchte ich dann gerne als Sprecherin für unserern Gospelchor "Good News" antreten. Dieser gestaltete in diesem Jahr ein Gospeloratorium im Rahmen des 10 Uhr Gottesdienstes am 1. Weihnachtsfeiertag und....die Kirche hatte noch Plätze frei! Für diejenigen, die gerne unsere Musik hören ist dies sicherlich auch eine schöne Alternativ- oder Zusatzgelegenheit, der Weihnachtsbotschaft zuzuhören. Zumindest habe ich von vielen Seiten gehört, dass es wirklich sehr schön war.
Mir als Mitsängerin hat es jedenfalls sehr viel Spaß gemacht, und meine Familie ist dann direkt mit gekommen. Heilig Abend haben wir dann einfach einen schönen, langen Spaziergang gemacht, das war auch in Ordnung.
Viele, liebe Grüße Bettina Bernhardt, 14.1.09 |
Antwort auf Herrn Fischer und Frau Abends
Der von uns angesprochenen Überfüllung ist recht einfach zu begegnen durch einen weiteren Gottesdienst am Nachmittag. Vielleicht auch durch den Vorschlag von Frau Abends. Aber man sollte den Gesichtspunkt nicht klein reden. Wer keinen Einlass findet, wird häufig nicht wiederkommen, erst recht nicht, wenn er selten, dafür aber zu Weihnachten in die Kirche kommt bzw. zu kommen versucht.
Mit der Frage der Leere an "normalen" Gottesdiensten hat Herr Fischer ein zentrales und auch existenzielles Problem der Kirche genannt. Nicht selten setzt sich die kleine Zahl der Gläubigen aus alten Menschen und ganz jungen zusammen. Die Jungen kommen meist, weil sie als Konfirmanden kommen müssen. Nach der Konfirmation bleiben sie weg, bis zur Hochzeit, zur Kindstaufe und manchmal bis zum Tode. Die Älteren kommen, weil sie im Laufe ihres Lebens die Bedeutung eines Gottes als Wegweiser, Hüter oder auch Begrenzer einer sinnvollen Lebensgestaltung kennen- und schätzen gelernt haben. Sie glauben oder hoffen jedenfalls an und auf die Weisheit und die Liebe Gottes. Dazwischen gibt es - nicht genug Menschen im "besten Lebensalter" (um nicht im „Mittelalter“ zu sagen), die aus christlichem Glauben und Überzeugung von der Richtigkeit christlicher Werte für das Zusammenleben die christliche Gemeinschaft suchen und für sich auch gefunden haben.
Diese "Mittelalterlichen" könnten und sollten an Zahl viel größer sein. Sie sind die tragende Generation, sind die "Leistungsträger", wie sie im Wirtschaftsleben gern genannt werden. Sie könnten der Kirche und ihrer Botschaft größere Bedeutung und Kraft geben, sich in unserer modernen Gesellschaft mehr Gehör zu verschaffen. Da gebe ich Herrn Fischer Recht.
Aber woran liegt es, fragt er, dass sie nicht kommen, und will wohl, wenn ich das richtig verstehe, eine Art Befragung durchführen. Würde ich befragt, wäre meine Antwort: Man müsste den Gottesdienst attraktiver gestalten und die Menschen ernst nehmen, mehr als es gelegentlich geschieht. Wie man das machen sollte und ob das hilft, ist die Frage. Man sollte sie aber immerhin breiter diskutieren.
Horst Viehmann, 3.1.09Ein jegliches hat seine Zeit, |
Gottesdienst am Heilig Abend im Fackelschein
Angeregt durch die Beiträge zu den Gottesdiensten am Heilig Abend möchte ich hier auf eine besondere Form des Gottesdienstes hinweisen, welchen die Evangelische Kirchengemeinde Bensberg an diesem Tag feiert. Die Gottesdienstbesucher bekommen eine Fackel, und im Schein der Fackeln können die Besucher - ähnlich wie die Hirten vor über 2000 Jahren - die Weihnachtsgeschichte unter freiem Himmel hören. Vielleicht wäre dies auch eine Idee für unseren 17 Uhr Gottesdienst, der Platz vor der Kirche wäre dafür durchaus geeignet und keiner müsste an diesem Festtag mehr um einen Platz in der Kirche bangen.
Mehr Infos dazu.
Cordula Abends, 31.12.08 |
Gedanken zu den Beiträgen über die Gottesdienste am Heilig Abend
Von Prof. Horst Viehmann wurde ich vor einigen Wochen auf die "User-Ecke" aufmerksam gemacht.Mit diesen Zeilen möchte ich meine Gedanken zu den Beiträgen von Frau Irmgard Viehmann vom 27.12.und Herrn Prof. Horst Viehmann vom 28.12. äußern.
Es wurde hier von der Überfüllung der Kirche an Heiligabend gesprochen.Es gibt allerdings nur wenige kirchliche Feiertage,an denen dieses Problem auftritt.An den meisten Sonntagen könnte die Kirche ohne weiteres mehr Besucher vertragen.Dabei sind wir in Seelscheid noch in einer außergewöhnlich guten Situation,was den sonntäglichen Kirchenbesuch anbetrifft. In anderen Gemeinden und Städten sieht das viel trostloser aus.
Wie können wir mehr Menschen zum Besuch der sonntäglichen Gottesdienste veranlassen ? Es gibt einige hundert Menschen in unserer Gemeinde,die in selbstloser Weise und mit tollem Engagement den Pfarrer in seiner Arbeit unterstützen,Gesprächskreise und Aktionen der verschiedensten Art durchführen und natürlich auch die Gottesdienste besuchen.
Aber was ist mit den anderen mehreren tausend Gliedern unserer Gemeinde? Wenn diese sich offiziell zur christlichen Kirche bekennen aber den Gottesdiensten weitgehend fernbleiben,dann muß es doch spezifische Gründe geben.Dies zu erfahren und solche Menschen zur aktiven Teilnahme am Gemeindeleben zu überzeugen,das wäre doch eine lohnende Aufgabe,was allerdings voraussetzt,dass man in die Gemeinde verstärkt hineingeht, um diese Überzeugungsarbeit zu leisten.Vielleicht ergibt sich daraus ein Schneeballeffekt mit der Folge,dass an normalen Sonntagen ähnliche Situationen entstehen wie am Heiligabend.
Erich Fischer 30.12.2008 |
Kein Platz mehr in der Herberge
Es wäre doch schade, würde Irmgard Viehmann ihre Ankündigung wahr machen, Dorf Seelscheid zu verlassen und nach Berg Seelscheid ab- oder auszuwandern. Ich wüsste gar nicht, was ich, als ihr Ehemann, tun sollte:"flüchten oder standhalten?", wie der große alte Mann der Psychiatrie Horst Eberhard Richter die gefährliche Ambivalenz der Neigungen in einem seiner Bücher hinterfragt hat. Ich würde wohl der ehelichen Vorgabe folgen: flüchten nach Berg Seelscheid, wäre also die Losung.
Aber auch die Lösung? Nein, es gibt einfachere, als eine lebenslang geübte Gepflogenheit aufzugeben. Und es gibt bessere. Wenn jemand nicht allein mit seinem Zorn ist, sieht die Lage schon besser aus. Meine erste Reaktion ist deshalb mein Anschluss an Irmgards verhaltene Klage. Aus Solidarität, unbedingt, ohne wenn und ohne aber. Die zweite ist Verständnis für Irmgards Haltung. Ich kann ihren Ärger gut verstehen, ja, ich teile ihn mit ihr. Zwar ist es objektiv gesehen eine tolle Sache, wenn eine Kirche mit Gläubigen und Besuchern bis auf den letzten Platz gefüllt ist, und auch für diejenigen, die einen Platz haben, ist die subjektive Sicht wunderbar: so viel Leute um einen herum, alle in festlicher Stimmung, meist auch in festlicher Kleidung, die Kirche schön ausgeschmückt, die Erwartung auf eine feierliche Einstimmung auf den Heiligen Abend. Was will man mehr. Anders natürlich bei denen, die diese schönen Erwartungen auch hatten, sich auch festlich gekleidet und sich ebenfalls auf den Weihnachtsgottesdienst gefreut hatten. Sie waren früh losgefahren, weil sie wussten, dass es an Heilig Abend immer voll wird. Wenn die Fülle aber dann gnadenlos ist und sich nicht ein einziges freies Plätzchen mehr findet, ist diese Freude ziemlich unchristlich am Boden. "Frustriert" nennt man die Empfindung etwas wissenschaftlich abgemildert. Außerhalb der Weihnachtszeit, fallen mir bei solchen Erlebnissen meist andere Vokabeln ein. Frustriert fährt man wieder nach Hause. Trotz ziemlicher Müdigkeit hält man sich und die Kinder bis kurz vor 23:00 Uhr wach. Und wäre die Christvesper nicht so schön, wie wir sie in diesem und auch im vorigen Jahr erlebt haben, hätten ganz unziemliche Rachegedanken statt weihnachtlicher Versöhnung mein Denken und Fühlen beherrscht, etwa ein Jahr lang nur einen Cent in die Kollekte, keine Spende und im Gottesdienst kein überflüssiges Aufstehen mehr. So aber war es weihnachtlich und versöhnend. Allerdings waren wir am anderen Morgen so müde, dass der beabsichtigte Besuch des Gottesdienstes dieser Müdigkeit zum Opfer fiel.
Nun kann man sich gut in die Lage der Kirchenoberen hinein versetzen, deren Arbeitskapazität an Weihnachten ohnehin überstrapaziert ist und die keinen Ausweg aus dem Dilemma sehen. Doch eines müssen auch sie bedenken. Ausgesperrt sein, ist auch außerhalb des kirchlichen Lebens eine unerfreuliche Erfahrung. Innerhalb ist es ein Ärgernis, das die geläufigen Geborgenheitsmetaphern zu Phrasen reduziert.
Also - es gab reichlich Angebote an Gottesdiensten. Aber sie waren zeitlich unpassend platziert. Wir waren nicht die einzigen, die um 17:00 Uhr keinen Platz mehr fanden und umgekehrt sind. Wir haben recht viele noch nach uns zur Kirche eilen sehen. Wie wäre es denn, einen zweiten Hauptgottesdienst um 18:30 stattfinden zu lassen und dafür den Pfarrer durch Wegfall der Christmette um 7:30 Uhr am anderen Morgen zu entlasten. Auch die nur mäßig besuchte Mitternachtsvesper könnte man auf den früheren Zeitpunkt vorverlegen. Frau Rosemarie Ratz und Familie sowie Herr Erich Fischer und die beiden Violinistinnen Anita Friese und Pia Meier würden sicher auch um 18:30 ihre so schönen Beiträge zu einem zweiten Hauptgottesdienst leisten. Ich bin sicher, dass alle zufrieden wären. Und Friede unter den Menschen ist ja eine zentrale Weihnachtsbotschaft.
Horst Viehmann, 28.12.2008 |
Immer mal wieder etwas Neues!
Gerade zu Weihnachten pflegen die meisten Deutschen feste Rituale. So gehörte es zu meinem bisherigen Leben,am Heiligabend nachmittags einen Gottesdienst zu besuchen, dann - wieder zu Hause - die Kerzen am Weihnachtsbaum anzuzünden, Weihnachtslieder zu singen und dann die Bescherung folgen zu lassen.
Das hat sich in Seelscheid geändert. Zum zweiten Male hatten wir kein Glück, in der Kirche einen Platz zu finden. So kehrten wir unverrichteter Dinge nach Hause, tranken in Ruhe Kaffee, aßen Stollen, Torte und Plätzchen beim Kerzenschein und packten die Geschenke aus. Erst um 23 Uhr besuchten wir die liturgische Feier, die von Familie Ratz gestaltet wurde. Die schönen großen Christbäume, die das Kreuz umrahmten, die alten, schon ein wenig aus der Mode gekommenen Weihnachtslieder, die musikalische Begleitung mit Orgel und 2 Violinen und die besinnlichen Texte und Auslegungen der Weihnachtsgeschichte bildeten einen schöner Tagesausklang. Leider war dieser Gottesdienst nicht rappelvoll wie die nachmittäglichen, was vielleicht an der späten Stunde lag.
Auch wenn ich als Hausfrau die umgekehrte Reihenfolge der Gestaltung des Heiligabend immer noch schöner finde, weil gerade mit dem Besuch des Gottesdienstes am Nachmittag alle Hektik von mir abfiel und ich die fröhliche Stimmung bei Familiengottesdiensten immer dankbar empfunden habe,werde ich wohl, wenn nachmittags nicht mehr Gottesdienste angeboten werden, meine Gewohnheiten ändern. Einen Heiligabend ohne einen Kirchenbesuch, das wäre denn doch der Veränderungen zu viel, dann würde ich wohl eher noch zu den Katholiken abwandern.
Irmgard Viehmann, 27.12.08 |
Unser Altenheim
Die USER-ECKE ist eine großartige Möglichkeit für einen Gesprächskreis per Computer. Viele sind dazu in der Lage und würden auf diesem Gebiet gerne aktiv werden. Herzlichen Dank für diese Einrichtung, Dank auch für den Betreuer Diakon Markus Schlimm! Mit großem Interesse habe ich die Beiträge von Frau Irmgard Viehmann und Herrn Professor Horst Viehmann aus Kotthausen gelesen. Auch Ihnen herzlichen Dank! Hoffentlich nehmen noch andere an dem "Chatten" teil. Die in Gottesdiensten und im Gemeindeleben Aktiven werden sich, da bin ich sicher, über jedes Echo aus der Gemeinde freuen. Viele sind nicht in der Lage, sich zu regelmäßigen Treffs zu verpflichten, aber möchten in die USER-ECKE sehen und etwas berichten, kommentieren, eine Meinung äußern oder Vorschläge machen. Eine mündige und für Neuerungen aufgeschlossene, andererseits traditionelle Gemeinde wird es begrüßen, wenn Gemeindemitglieder mitdenken und mitreden. Das ist ein Schritt zum Mitarbeiten und Mitverantworten.
Ein Thema, an dem mir viel liegt, ist "unser" Altenheim. Nur fünf Gemeinden in dem großen Kirchenkreis "An Sieg und Rhein" betreiben gemeindeeigene Altenpflegeheime. Für die meisten Gemeinden im Kirchenkreis ist das kein Thema. Eigentlich ist unser Heim ein zu großer Schuh für eine Landgemeinde unserer Größenordnung. Aber ein "Siechenheim" für die Ärmsten der Armen, die kein Zuhause bzw. keine Pflege daheim hatten, ebenso ambulante Hilfe und Pflege bot die Gemeinde schon seit 1900 an. Das besorgte die Schwester in der Diakoiestation im alten Fachwerkhaus am Sportplatz. Das war die Vorgeschichte zu dem neuen, großen Altenpflegeheim, Am Grasgarten. Viel Segen ist aus diesem Haus in die Gemeinde und umgekehrt geflossen. Sowohl das Siechenheim als auch das spätere Altenpflegeheim waren ein Beweis für eine freundschaftlichen Ökumene. Die meisten Bewohner, auch Mitarbeiter waren zeitweise katholisch. Hätte das alles bezahlt werden müssen, was an ehrenamtlichen Diensten in die Bewohner des Heims im Laufe der Jahrzehnte investiert wurde, wäre die Altenhilfe in große Geldsorgen gekommen. Das wechselseitige Interesse und die gegenseitige Hilfe sind aus den Gebeten in den Gottesdiensten in der Kirche und aus den Gebeten in den Andachten, Bibelstunden und Abendmahlsfeiern im Altenheim gewachsen. Die Fürbitte füreinander wurde zu einer Kraftquelle. Aus ihr wuchs die Bereitschaft, dem Wahlspruch nachzuleben "Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes!" Dieser Spruch steht rechts neben dem vorderen Eingang. Er ist wichtig. Denn mit "trocken, sauber, warm, satt" ist es nicht getan. Die Bewohner, ebenso die Mitarbeitenden im Heim wollen auf keiner "Insel der Seligen" leben und arbeiten. Und so "selig" ist das Alter, die Altersbehinderung und die Demenz keineswegs. Die Altenpflege ist oft ein aufopfernder Dienst. Das zu wissen, erleichtert das Gebet und die Fürbitte.
Es gibt noch andere Denkanstöße zu Gesprächen, z. B. das Miteinander des Christlichen Initiativkindergartens im "Schwesternhaus" mit den Bewohnern und Mitarbeitern im Altenheim. Kirchmeister Heinz-Günter Scholz ist der Vorsitzende des Kindergartenvereins. - Erfreulicherweise wächst die Ökumene am Ort. Es gibt mancherlei Berührungspunkte. Welche? - Auf dem Lande ergänzen sich Bürger- und Christengemeinde. Ähnliches gilt für das Verhältnis zu den Vereinen, Schulen und Chören. Noch ein Thema bietet sich an: Die Kirchengemeinde ist modern und aufgeschlossen für Neues, zugleich jedoch auch traditionsbewusst. Was gibt es zu diesem belebenden Spannungsverhältnis zu sagen?
Mit guten Wünschen für aufschlussreiche Gespräche und gute Initiativen,
Dr. Friedrich Haarhaus, Pfarrer i. R., 20.11.08
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Lebensspuren
Unsere Kirchengemeinde veranstaltete eine Fortbildung zum Thema "Demenz".Ich habe daran teilgenommen und kann diese Informations- und Gesprächsreihe unter der Leitung von Frau Katrien Schmitz jedem wärmstens empfehlen, der als Angehöriger, als Interessierter oder als ehrenamtlicher Helfer sich viele Tipps, mehr Sachkenntnis und Erfahrungen wünscht.
Die Veranstaltung, die in unserem Gemeindehaus in einem schönen Saal bei Kaffee, Tee und Plätzchen statt fand, wurde durch die positive Empathie und das große Engagement von Frau Schmitz, durch ihren ruhigen Vortrag und durch die Einbeziehung aller Teilnehmer für jeden zur Bereicherung.
Wir beschäftigten uns zunächst mit dem Krankheitsbild der Demenz im Allgemeinen, dann mit der konkreten Möglichkeit,anhand der Biographie und des Milieus des Erkrankten Anknüpfungspunkte zu finden, um mit ihm im Gespräch zu bleiben und verbliebene Fähigkeiten möglichst lange zu erhalten. Dann wurde darüber gesprochen, wie man am besten auf die Erkrankten eingehen kann, dass es keinen Sinn hat, ihnen Fehler oder Defizite nachzuweisen, sondern dass man besser auf eine zugewandte Art versucht, nicht in Lügen zu verfallen, aber sie auch nicht zu belehren.
Immer wieder wies Frau Schmitz zu Recht darauf hin, dass der Pflegende, insbesondere der pflegende Angehörige, sich selbst Freiräume schaffen muss, um die eigene Gesundheit und Lebensfreude nicht aufs Spiel zu setzen. So wurde auch über die Möglichkeiten der Hilfe gesprochen, sei es durch Leistungen ambulanter Dienste oder feste Vereinbarungen mit Freunden und Angehörigen oder letztlich durch ambulante oder stationäre Unterbringung.
Viele Fragen wurden thematisiert - von der Ernährung bis zur Inkontinenz, von dem Bewegungsdrang vieler Kranker, den Möglichkeiten menschenwürdiger Beschränkungen, von Essstörungen und vielem mehr.
Dies alles trug Frau Schmitz mit so viel Wärme und Ruhe vor, dass schnell alle ins Gespräch kamen und auch weiterhin im Kontakt bleiben wollen. Es wurden auch Vorschläge erörtert, wie man eventuell in Seelscheid die Situation verbessern könnte. So fehlt es an einem offenen Gesprächskreis, bei dem sich Angehörige austauschen können und die Erkrankten inzwischen fachkundig betreut werden, es fehlt an Kurzzeit-Pflegeeinrichtungen und manchem mehr.
Ich hoffe, dass diese Anregungen in unserer Kirchengemeinde auf offene Ohren stoßen und wünsche vor allem, dass diese lehrreiche Veranstaltung bald wiederholt wird.
Im Namen aller Kursteilnehmer möchte ich mich auch auf diesem Wege bei Frau Katrien Schmitz und bei Herrn Jörg Wagener, der praktische Ratschläge zu Ernährung und Pflege erteilte, sehr herzlich bedanken.
Irmgard Viehmann, 28.10.08 |
Der Abschied des Kirchenmusikers Walter Rekowski
Beifall fast ohne Ende! Was will man mehr, wenn Künstler ihre Werke präsentieren. Beifall fast ohne Ende bekamen die Sänger und Musikanten des Abends der Kirchenmusik in der Evangelischen Dorfkirche zu Seelscheid am 26. Oktober 2008. Aber nicht nur sie. Den stärksten Beifall erhielt Walter Rekowski, langjähriger Dirigent und Organisator des Seelscheider Kirchenchors für seine jahrelange Arbeit für die Gemeinde in Sachen Kirchenmusik, die an diesem Sonntag ihren letzten Höhepunkt haben sollte. Es war der Abend des Walter Rekowski. Er stand auf der Bühne, beim Dirigieren und danach während des Beifalls. Er stand da und lächelte in die versammelten Zuhörer, ein wenig befangen, wie es schien, fast unbeholfen. Man hatte den Eindruck, er wäre am liebsten sofort wieder in die Sitzbänke zurückgekehrt, um der öffentlichen Aufmerksamkeit zu entgehen. Es war nicht eine kokettierende Haltung der Abwehr des Beifalls. Es schien echtes Bedürfnis eines bescheidenen Menschen zu sein, der die öffentlichen Auftritte scheut, den das öffentliche Lob eher beschämt. Die Haltung war sympathisch, ganz ohne Ansprüchlichkeit, ganz ohne Lust auf öffentlichen Glanz, nur der Freude an der Musik und der Leistung für Gott und die Menschen verpflichtet. Es war der beeindruckende Abschied eines Mannes, der sich um einen wichtigen Teil der vielfältigen Bemühungen um das Lob Gottes verdient gemacht hat. Pfarrer Schleef sagte zum Abschied, Kirchenmusik diene nicht nur als Gestaltungselement der Liturgie dem Lob Gottes, Kirchenmusik sei Teil der Verkündigung selbst von Gottes Wort und seiner Herrlichkeit. Das traf den Punkt, und Rekowski nahm dieses Wort dankbar entgegen. Und es wurde ein Nachfolger präsentiert - Karsten Rentzsch. Ein junger Mann von jungenhaftem Habitus, von Rekowski beeinflusst und vorgeschlagen, übernahm das Amt des Seelscheiders Kirchenmusikers mit den guten Wünschen des Vorgängers und dem Segen Gottes, den Pfarrer Schleef erteilte. Und mit viel Applaus der Kirchengemeinde.
Applaus war an diesem Abend mehrfach angebracht. Es spielten ein Bonner Streichquartett und der Posaunenchor der Ev. Kirche Seelscheid, und es sangen der Seelscheider Kirchenchor sowie drei Solisten, die grandiose Sopranistin Ulrike Menkhoff-Gallasch, der Tenor Klaus J. Gerling und der Bass Dr. Hans Eberhard Bosse, der sich auch in der Bläsergruppe engagierte. Die Orgel spielte Peter Karisch, der wieder einmal vorführte, was für ein wunderbares Instrument unsere Orgel ist. Wer glaubte, der Kirchenchor der Gemeinde Seelscheid sei ein bäuerlicher Provinzchor, wurde eines besseren belehrt. Kraftvoll und meist mit guter Stimmqualität, leise und mit der nötigen Sensibilität sangen die etwa 30 Frauen und Männer Lieder zum Lobe Gottes und die Messe in G-Dur von Franz Schubert. War noch nach den ersten beiden Darbietungen der Applaus ausgeblieben, brandete er geradezu wie erlöst auf, als der Schluss der Messe verklungen war. Es war eine wunderbare Musik, die uns Zuhörern von Chor, Orchester und den drei Solisten geboten wurde. Die folgenden Darbietungen, Lieder, Werke für Bläser, eine Serenade von Josef Haydn und ein Orgelspiel von Andrea Lucchesi wurden allesamt mit dankbarem Beifall bedacht. Am stärksten das Kantatenwerk von Gunsenheimer "Lasst den Lobgesang hören", das den Choral "Lobe den Herrn" in einer Art Wechselspiel zwischen den Sängern, den Bläsern und den Streichern mit allen Strophen vortrug. Es war ein gelungener Abend der Kirchenmusik, und es war ein schöner Abschied und eine ehrenvolle Verabschiedung eines verdienten Kirchenmusikers. Möge der Nachfolger die Zuhörer ebenso begeistern wie Walter Rekowski und seine Sänger es heute getan haben.
Horst Viehmann, 26.10.08 |
Das UHU-Projekt
Gottesdienst mit Chorprojekt "Die UHU" - so war auf der Homepage der Gemeinde der heutige Gottesdienst angekündigt. "Der" Uhu ist eine Vogelart aus der Gattung der Bubos, die zur Ordnung der Eulen gehört. Der Name des Uhus wird wohl von seinem Balzruf hergeleitet. Der dem echten Balzruf klangähnlichere HuHu-Ruf des Uhus hatte sich bei der Namensbildung nicht durchsetzen können. Nicht "Huhu" heißt der Vogel, sondern eben "Uhu". So jedenfalls ist es bei "Wikipedia" nachzulesen. Nun eine Eulenschar hatte ich heute morgen in der Kirche auch nicht erwartet, weil ein Gottesdienst-Experiment mit einer Eulenschar und leidenschaftlichen Eulenbalzrufen für mich nicht so recht vorstellbar war. Außerdem hatte mich bei genauerem Lesen die Bezeichnung "Die UHU" statt "der Uhu" oder "Die Uhus" stutzig gemacht. Das gibt doch keinen Sinn, dachte ich. Ich war also gespannt auf das, was kommen würde, und zugleich erleichtert, als ich beim Betreten der Kirche im Chorraum eine Schar Frauen sah, die sich zur Einübung auf ihren Auftritt im Gottesdienst "warm" sang. Richtig begann es dann mit einem englischen Loblied "My Lord, what a morning", mein Gott, was für ein Morgen, ein schönes Lied - oder sollte man sagen, ein schöner Song - , der bei der Kühle des Morgens Herz und Gemüt erwärmte. Man merkte den Frauen eine gewisse Befangenheit an es war wohl der erste öffentliche Auftritt und freute sich mit ihnen, dass der Gesang immer eindringlicher und überzeugender wurde, je länger sie sangen. Dann gab es eine Erläuterung. Der Chorleiter, Michael Helfen, stellte das "Projekt" vor. Mit den Eulen habe der Name nichts zu tun. Er bedeute vielmehr die "Unter HUndertjährigen, die UHU". Aber wegen der Namensgleichheit habe man sich auch des Symbols des Vogels bedient. Und so ziere als Brosche eine Eule jede der Sängerinnen und auch ihn selbst, der er als einziger Mann dazu beitrage, dem Chor den Charakter eines gemischten Chores zu verleihen. Man treffe sich 14tägig in der schönen Kapelle des Altenheims zum Singen. Festgelegt auf eine besondere Auswahl der Lieder sei man nicht. Die Bandbreite sei groß. Auch gebe es keine bevorzugte Altersgruppe (Was so ganz nicht stimmt, denn 100 Jahre und älter darf man nicht sein). Jede sangesfreudige Stimme sei willkommen.
Der Chor sang noch drei weitere Lieder und - wie zur Demonstration der Bandbreite am Ende des Gottesdienstes "Guten Abend, gut´ Nacht". Ein herzlicher und anhaltender Beifall zeigte, dass das Gesangs-Projekt für jedermann und jedefrau, das Projekt "Die UHU" zu gelingen scheint.
Es war ein schöner Auftakt für den heutigen Nachmittag für das Chorkonzert des Seelscheider Kirchenchores, und es war eine schöne Umrahmung des Gottesdienstes. Wer nicht da war, hat etwas versäumt. 2008Horst Viehmann, 26.10.08 |
Kommentar zum Sonntagsgottesdienst vom 21.9.08
Gottesdienste können langweilige Veranstaltungen sein, in denen Gläubige aus der Kirche als Ort des Gottesdienstes, manchmal sogar aus der Kirche als der christlichen Gemeinschaft hinausgepredigt werden können. Gottesdienste können aber auch begeisternde Ereignisse sein, die den Teilnehmern Freude am Leben in der christlichen Gemeinschaft und Gewissheit im Glauben an den Geist der christlichen Botschaft vermitteln. Ein solcher Gottesdienst war der heutige "Jugendgottesdienst mit Taufen" , wie er im Sonntagsbrief genannt wurde. Zwei 14jährige Knaben wurden getauft. Sie trugen ihre Taufsprüche selbst vor und versprachen, mit Gottes Hilfe ein Leben in christlicher Verantwortung zu versuchen. Die Freude über die Gabe Gottes, die die Taufe ist, ein Angebot, in der Gemeinschaft christlicher Menschen zu leben, war den beiden deutlich anzumerken. Aber auch der Ernst, mit dem sie ihr Versprechen formulierten, war beeindruckend, war beispielhaft und entsprach so gar nicht den vielen Kritiken, denen die jungen Menschen heute häufig ausgesetzt sind. Zuvor hatten fünf gleichaltrige Jungen und Mädchen das Taufwasser aus einer Kanne in das Taufbecken gegossen und dazu schöne Sinnsprüche über die Bedeutung der Taufe und die Rolle des Wassers in diesem Zusammenhang vorgetragen. Eingerahmt wurde das Geschehen vom sogenannten Freundechor, der Gospelsongs in wunderbarer und begeisternder Weise intonierte und inszenierte. Die Freude der Sängerinnen und Sänger, an dem schönen Festereignis mitwirken zu können, war geradezu ansteckend. Eine die Taufe erläuternde Predigt und ein schöner Bibeltext von der Genesung des aussätzigen syrischen Heerführers Naaman durch das Eintauchen in das Wasser des Jordan, dazu Lieder, die "unter die Haut" gingen, gaben dem Gottesdienst zusätzlichen Mittelpunkt und Rahmen. Und schließlich zeigten die von vier ebenfalls etwa 14/15jährigen Jugendlichen vorgetragenen Sätze des Fürbittengebets, dass die Mitwirkung von Jugendlichen an der Gestaltung des Gottesdienstes gut möglich ist, ihre Verbundenheit mit der Gemeinschaft stärken und ihnen die Übernahme von Verantwortung als selbstverständlich deutlich machen kann.
Ich kann nur meine Freude betonen, die ich heute morgen in unserer Kirche empfunden habe, und dazu ermuntern, junge Menschen häufiger in die Gestaltung einzubeziehen und Chöre nicht von der Empore, sondern sichtbar vorn im "Chor" singen zu lassen.
Horst Viehmann, 22.09.08 |
Interaktive Kommunikation im World Wide Web
Anscheinend bewegt sich was in Sachen interaktiver Kommunikation im World Wide Web.
Da habe ich jetzt auch direkt eine Anregung, die ich schon seit einigen (fast) Jahren immer mal wieder nebenher angestoßen habe: Um Mehr Menschen auf diese Internetseite zu locken, müssen den Menschen auch Anregungen gegeben werden. Eine sozusagen "gezwungene" Anregung ist z.B. die Möglichkeit sich für alle Gruppen, Freizeiten usw. per Internet anmelden zu können.
Sei es für Jugendfreizeiten, Relikurse oder Ähnliches. Das würde zudem den gesamten Kostenapparat mittelfristig entlasten, da wesentlich weniger Anmeldungen in gedruckter Form in der Gemeinde verteilt werden müssten (Papier und Toner sind ja nicht gerade günstig) und lästiges abtippen von Daten würde sich auf ein Minimum reduzieren.
Somit wären die Menschen automatisch zu einem Besuch der Homepage "Gezwungen" und würden sehr wahrscheinlich auch Dinge wahrnehmen, die sie ohne diesen "Zwang" gar nicht bemerkt hätten.
Das soweit von mir als kleine Anregung, um die Gemeinde auch weiterhin auf der Höhe der technischen Entwicklung zu halten. Ansonsten halte ich diese Form der interaktiven Mitarbeit für einen weiteren Schritt in die richtige Richtung! Daumen hoch! :)
Hessische Grüße an die gesamte Gemeinde schickt euch der Knut!
Knut, 11.09.08 |
Zum Sonntagsgottesdienst vom 7.9.08
Ein schöner Gottesdienst mit schönen Liedern und schöner Musik. Orgel, Querflöte und Violine. Es gab verdienten Beifall für die Musikanten. Nur schade, dass man - als einfacher Kirchgänger im Kirchenraum - diese nicht sah. Es mangelt dadurch an der schönen und interessanten Einheit von Hören und Sehen. Dem könnte man abhelfen. Die Musiker könnten sichtbar im Chorraum sitzen. Platz wäre genug. Und wir "Zuschauer" würden die Musikanten auch erleben. Der wunderbare Gospelchor - um ein Beispiel zu nehmen - würde viel von seiner Wirkung verlieren, würde man nicht die Freude der Sängerinnen und Sänger und ihre Hingabe an Melodie und Rythmus sehen und damit viel mehr von der Eigenart und Schönheit dieser Musik wahrnehmen, als wenn sie unsichtbar auf die Empore "verbannt" wären. Das Lob Gottes, dem ja auch die Musik anderer Musikanten und Chöre dient, wäre viel sichtbarer, erlebbarer und damit nachdrücklicher. Manche sagen, das ginge nicht beim Zusammenspiel von Orgel und Instrumenten. Mich überzeugt das nicht.
Wir haben ein Lied gesungen, Nr. 395 im ev. Gesangbuch, in dem es in der zweiten Strophe unter anderem heißt, "Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit ...". Das ist eine umfassende Mahnung, den Wandel der Zeit nicht immer nur mit Bedauern über den Verlust der "guten alten Zeit" wahrzunehmen (so generell gut war die alte Zeit ja auch gar nicht), sondern diesen Wandel als Aufgabe und Chance zu begreifen, manches Altgewohnte zu ändern und zu verbessern. Im Großen der Welt und im Kleinen der Musik am Sonntagmorgen.
Gleichwohl hat mir die Musik große Freude bereitet und war eine eine echte Gottesgabe in diesem schönen Gottesdienst am ersten Sonntagmorgen im September 2008.
Horst Viehmann, 07.09.08 |
"User-Ecke" - Warum?
"Auch auf dem Lande, wie hier in Kotthausen, ist das Internet ein wichtiges Kommunikationsmittel. Und sogar unsere evangelische Kirchengemeinde hat eine eigene Homepage mit vielen Informationen. Das verdanken wir der Aufgeschlossenheit der Gemeindeleitung (Pfarrer und Presbyterium) gegenüber modernen Entwicklungen sowie einer jungen Frau, der "Webmasterin", die die Homepage der Gemeinde professionell gestaltet. Leider ist die Akzeptanz bei den Gemeindegliedern noch nicht so, wie es wünschenswert wäre. Dies liegt wohl daran, dass die Älteren mit der neuen IT-Technik nicht ausreichend vertraut sind und wohl auch nicht über Computertechnik verfügen. Manche sehen dies alles als Teufelszeug an. Leider, denn das führt dann zu Rückschritten, wie es etwa die kürzliche Abschaffung des Internet-Gästebuches darstellt. Dieses Gästebuch war eine gute Möglichkeit, Meinungen über das gemeindliche Leben zu artikulieren und Diskussionen zu führen. Das gab Pfarrer und Presbyterium Gelegenheit, etwas über die Stimmung in der Gemeinde zu erfahren und ihrerseits Meinungen und Diskussionen zu beeinflussen. Aber es wurde kaum genutzt, sowohl von den Gemeindegliedern als auch seitens der Leitung. Der Betrieb wurde wohl deshalb eingestellt. Schade für diese verpasste Chance zur Kommunikation, denn der Gemeindebote, der nur dreimal im Jahr erscheint bietet deutlich weniger Möglichkeiten."
So habe ich am 11. August 2008 in einer meiner "Kotthäuser Geschichten" (www.kotthausen.de) geschrieben und der Gemeinde zur Kenntnis gegeben. Alles per elektronischer Post, per E-Mail. Das ist eben - wie oben beschrieben - ein tolles Kommunikationsmittel, auch und vielleicht gerade für ältere Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind und deshalb nicht so leicht persönlich irgendwo erscheinen und sich unterhalten können. Die Abschaffung des elektronischen Gästebuches habe ich deshalb bedauert, auch wenn es wenig genutzt wurde. Meine Hoffnung war, dass im Laufe der Zeit, immer mehr Menschen, mit dem Internet und seinen Möglichkeiten vertraut werden. Man muss ihnen Zeit lassen.
Mich hat es nun sehr gefreut, als ich - auch per E-Mail - die Nachricht der Webmasterin, mit nicht-elektronischem Namen: Cordula Abends, bekam, sie habe eine "User-Ecke" eingerichtet und Markus Schlimm, hat auf der Homepage der Gemeinde nun um regen Gebrauch gebeten, mit Texten, Vorschlägen, Anregungen oder Kritik sich an Diskussionen rund um die Kirche zu beteiligen.
Nun sind "Homepage" und "User-Ecken" für viele Menschen ebenfalls noch Fremdwörter, die sie nicht verstehen. Sie haben sich so in der elektronischen Sprache eingebürgert und sind wohl nicht mehr - weil international üblich - wegzubekommen. Sie sind aber auch schnell erklärt: das englische Wort "Homepage" meint wörtlich übersetzt einfach "Hausseite" und könnte mit einer ausführlichen Visitenkarte verglichen werden.
Die "User-Ecke" könnte mit einem Gästebuch verglichen werden und soll den Gästen der Hompage, den "Usern", das sind die Nutzer, zur Meinungsäußerung dienen.
Ich bin gespannt, ob und wie es benutzt wird. Manches Gästebuch aus früherer Zeit liest sich heute wie eine alltägliche Beschreibung der damaligen Zeit und ist nicht selten eine spannnde und schöne Lektüre. Vielleicht entwickelt sich unsere neue User-Ecke ja auch zu solch einem zeithistorischen Dokument. Es wäre schön und auch ein Dank für die, die diese Ecke einrichten und betreuen.
Horst Viehmann, 04.09.08 |
Liebe Seelscheider!
Herzlich willkommen in der neuen User Ecke! Hier haben Sie die Möglichkeit, Ihre Meinung, Wünsche, Kritik, Sorgen, Freude, Erlebnisse.... auszusprechen. Wir wollen gerne Ihr Feedback für unsere Gemeinde lesen und hören! Vielen Dank an unsere Webmasterin Cordula Abends für die Bereitstellung dieser Kommunikationsmöglichkeit!
Und nun, frohes Schreiben...!
Markus Schlimm, 27.08.08 |
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