Bote 2/02

Die Evangelische Kirchengemeinde Seelscheid
Angenommene und annehmende Gemeinde
Jesu Christi

UNSER LEITBILD

Betritt man unsere Kirche, so fällt einem das große Holzkreuz, umrankt von wildem Wein, auf. Dieses Kreuz, das wie ein Baum gestaltet ist, symbolisiert, was uns als Evangelische Kirchengemeinde in Seelscheid ausmacht.

Der Längsbalken verkörpert die liebevolle Zuwendung Gottes zum Menschen. Wir glauben, dass sich in Jesus Christus Gott als der Schöpfer des Himmels und der Erde und als Herr der Welt allen Menschen gezeigt hat. Durch Tod und Auferstehung Christi hat Gott uns, allein aus seiner Gnade, vergeben und uns bedingungslos angenommen. Im Glauben durch den Heiligen Geist haben wir daran Anteil.

Der Querbalken drückt die Verbindung der Menschen untereinander aus. Gottes Annahme befreit und ermutigt uns dazu, andere Menschen vorurteilslos anzunehmen, um ihnen Gottes Liebe in Wort und Tat zu bezeugen.

Wie das Kreuz für Leiden und Sterben, so steht der Rebstock für Leben und Auferstehung. In der Gegenwart Christi und durch die Kraft Gottes entsteht neues Leben: Jesus Christus ist auferstanden von den Toten. Das Kreuz wird zum Lebensbaum. Alle Lebendigkeit unserer Gemeinde hat ihren Wurzelgrund in Jesus Christus.

Wir sind angenommene Gemeinde

Wir dürfen wissen, dass Christus unsere Gemeinde mit ihrer ganzen Geschichte, mit ihren Eigenarten, ihren Stärken und Schwächen in Liebe angenommen hat. Wir erfahren, dass sich Menschen durch die Verkündigung von Gottes Wort zum Glauben entschieden haben und eigene Schritte des Vertrauens auf Gott wagen. Wir erleben die Freude des Glaubens in vielfältiger Weise. Dabei sind uns die Feier des Gottesdienstes, die Sonntagsheiligung und die Ausrichtung am Rhythmus des Kirchenjahres besonders wichtig.

Wir werden ermutigt, Gott im Gebet lobend, dankend, klagend und fürbittend zu begegnen und ihn immer wieder neu nach dem Weg für unsere Gemeinde zu fragen. Wir finden im Glauben an den lebendigen, dreieinigen Gott unsere Heimat. Wir hören und verkündigen Gottes Wort und bemühen uns, danach unser Handeln auszurichten.

Wir wollen annehmende Gemeinde sein

Wie Gott uns und seine Gemeinde angenommen hat, so wollen auch wir andere Menschen in Liebe annehmen und ihnen begegnen. Dabei wollen wir ein in gegenseitiger Wertschätzung getragenes Christsein in unserer Gemeinde einüben.

Die Evangelische Kirchengemeinde Seelscheid ist eine Gemeinde mit einer über 400-jährigen evangelischen Tradition. Wir empfinden das Eingebundensein in diese Geschichte als eine große Bereicherung und Herausforderung für unser Gemeindeleben heute.

Wir bemühen uns um ein gemeinschaftliches Leben, das Gott in seiner Mitte feiert. Wir sind dankbar über vielfältige Ausdrucks- und Frömmigkeitsformen des einen christlichen Glaubens und wollen darin die Fülle der Gnade Gottes erkennen.

Wir sind eine singende und musizierende Gemeinde, die klassische Kirchenmusik und moderne musikalische Ausdrucksformen des Glaubens mit Kräften fördert. Wir erleben dankbar, wie der Gesang Menschen verschiedenen Alters anspricht, Gemeinschaft entstehen und wachsen lässt und so Bindung an Kirche erleichtert.

Wir wollen die Situation unserer Volkskirche als Herausforderung und Chance entdecken, um Menschen in ihren verschiedenen Lebenslagen zu begleiten. Dabei sind eine sorgfältige und liebevolle Vorbereitung und Gestaltung, insbesondere der Kasualien (Taufe, Konfirmation, Trauung, Beerdigung), eine wichtige missionarische Möglichkeit, um Menschen auf ihren oft verschütteten Glauben hin anzusprechen.

Wir sind eine Gemeinde, die nicht vorschnell Grenzen zieht zwischen Gläubigen und Ungläubigen. Wir wollen auch Suchende, Fragende, Unentschlossene, Zweifler und Ratsuchende wertschätzen. Wir wollen ihnen Heimatrecht in unserer Mitte geben in der berechtigten Hoffnung, dass sie so ihre Heimat in Christus entdecken.

Wir sind uns darüber im Klaren, dass gelebtes Christsein dann allen gut tut, wenn wir einen Umgang miteinander einüben, der den Umgang Jesu mit den Menschen widerspiegelt. Solches Einüben von Gastfreundschaft und Nächstenliebe wird getragen von der Verheißung, dass gemeindliches Leben einladende Ausstrahlung und Überzeugungskraft gewinnt. Die bauliche Nähe von Kirche und Gemeindehaus will einerseits als Aufeinanderbezogensein von Bet- und Gasthaus verstanden sein und andererseits die Verbindung von Glauben und Leben, von Liturgie und Feier deutlich machen. Das Gemeindehaus ist Haus der ganzen Gemeinde, in dem sich Gruppen und Kreise versammeln. Die Ausstattung, Ausschmückung und Pflege der Räumlichkeiten, der Sinn für Schönes, die Gabe des Bewirtens und das Feiern von Festen sollen eine wohltuende Atmosphäre vermitteln, die sich von Gottes eigener Menschenfreundlichkeit inspirieren lässt.

Wir sind eine beratende und seelsorgliche Gemeinde, die Menschen in ihren Alltagssorgen und Lebensnöten aus der Kraft des Evangeliums heraus begleiten will.

Wir sind eine besuchende und einladende Gemeinde, die öffentliche Präsenz und freundschaftliche Nähe wagt, die nicht auf die Menschen wartet, sondern auf sie zugehen und ihnen nachgehen möchte.

Wir sind eine bezeugende und zum Glauben helfende Gemeinde, in der Christen ohne Scheu im Gespräch und im Gebet zu Christus einladen.

Wir sind eine missionarische Gemeinde, die ohne Übereifer in Gelassenheit gewinnend leben möchte statt überstürzt gewinnen zu wollen.

Wir sind begeisterte und zuversichtliche Gemeinde, die sich von Vergeblichkeitserfahrungen in ihrem Bemühen nicht entmutigen lässt, sondern auf die Verheißung setzt, dass Gottes Wort nicht leer zurückkommt.

Wir sind eine diakonische Gemeinde mit Leidenschaft für Menschen, die unserer Hilfe bedürfen. Unseren sozial-diakonischen Einsatz machen wir nicht abhängig von der Aufnahmebereitschaft für Gottes Wort. Dabei fühlen wir uns besonders in der Verantwortung gegenüber Kindern und alten Menschen. Das zeigt unser Engagement im Evangelischen Kindergarten und in der Christlichen Kindergarteninitiative Seelscheid (CKiS) sowie in der Evangelischen Altenhilfe Much/Seelscheid, die auf eine über 100-jährige Tradition der Unterstützung von alten und behinderten Menschen aufbaut.

Wir sind eine Gemeinde, die ihre Fürsorge gegenüber den Mitarbeitenden ernst nimmt, indem sie sie durch Fort- und Weiterbildung und persönlichen Zuspruch in ihrem Dienst an den Menschen begleitet, stärkt und ermutigt.

Wir sind eine ökumenische Gemeinde im ernsten Bemühen darum, dass bei allen Unterschieden der christlichen Konfessionen die Gemeinsamkeiten größer sind als alles Trennende. Dabei liegt uns die Gemeinschaft im Glauben mit unserer katholischen Schwestergemeinde vor Ort besonders am Herzen.

Wir wollen Verantwortung übernehmen, indem wir im Hören auf Gottes Wort Stellung beziehen zu gesellschaftlich-politischen Fragen und Entwicklungen.

Wir freuen uns über alles Erreichte, wissen aber auch um Unerreichtes und Unvollkommenes, um eigene Unzulänglichkeiten und Begrenztheiten. Wir verstehen uns dabei als Gemeinde auf dem Weg, die beständig der Vergebung Gottes bedarf und zugleich auf das Ziel Gottes mit der Welt zugeht.


Das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Seelscheid